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Tracing-App

Tracing-App

Christian
Ruch
vor 9 Monaten in
BILD PIXABAY

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Inzwischen erreichen uns die ersten Rückmeldungen der deutschen Testtouris auf Malle, und ich muss sagen, das klingt doch alles ziemlich supi. An den wichtigsten Aufenthaltsort, das Hotelbuffet, darf man nur mit desinfizierten Händen in Plastikhandschuhen und nachdem die Temperatur gemessen wurde. Ein echter Fortschritt! Wie oft standen wir im präcoronäischen Zeitalter dank der duty free im Flugzeug erworbenen Erkältung mit Schüttelfrost und Fieberschüben vor dem Buffet und niesten, anstatt vernünftigerweise das Hotelbett zu hüten, unsere Virenlast ins Thousand-Island-Dressing. Sage da keiner, Ferien seien nicht sicherer geworden!

Uns Daheimgebliebene beglückt derweil die Tracing-App auf dem Handy. Ich werde sie anscheinend leider nicht downloaden können, weil ich angeblich ein zu altes Handy habe. Hallo?! Das ist ein iPhone 6, wie es schon Hedwig Tell benutzte, als sie anno domini 1291 die Apfelschussaktion von ihrem Willi und dem Walterli auf Instagram postete. Die Tallüt von Uri, Schwyz und Unterwalden waren totale Fans von iPhone und iPad, nicht umsonst nannten sie ihren Bund iDgenossenschaft.

Vielleicht würde mich die Tracing-App aber auch langweilen, denn ich fürchte, man war beim Bund wieder zu bünzlig, um echt innovativ zu sein. Ich glaube nämlich nicht, dass die App auch tolle Spiele wie zum Beispiel „Super-Spreader“ bietet. Da geht es darum, in einer Tiroler Après-Ski-Bar möglichst viele Gäste anzustecken. Bei jedem Treffer ertönt DJ Tommy Bergs Superhit „Wir haben Ischgl überlebt“ (googlen Sie mal, gibt’s wirklich!). Das ist echte Handy-Hüttengaudi! Oder, für anspruchsvollere User, das Strategiespiel „Peyerplay – Val Infecziun“, wo Sie als Bündner Gesundheitsdirektor Peter Peyer innerhalb kürzester Zeit ein infektiöses Bergtal unter Quarantäne stellen, renitente Bergbahnbetreiber zur Räson bringen, Touristen evakuieren, Grenzen schliessen, den Zivilschutz und die Armee aufbieten, Schutzkleidung organisieren, „Blick“-Reporter abwimmeln und Alain Berset empfangen müssen. Nichts für schwache Nerven!

Aber eben: Nichts von alledem dürfte auf der Tracing-App zu finden sein. Ich fürchte, sie ist also auch nicht lustiger als Ferien auf Malle im Moment.

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