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Prepper

Prepper

Christian
Ruch
vor 1 Jahr in

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Unlängst schaute ich am Ende meines amtl. bew. Freigangs noch in einem Supermarkt vorbei. Das einzig leere Regal war – Sie haben es bereits erraten – das vom WC-Papier, das irgendwelche infantilen Hamsterer palettenweise im Keller stapeln müssen.

Die Lieblingsbündnerin an meiner Seite meint allerdings, ich solle bloss nicht so tun, denn ich sei auch ein Hamsterer. Völlig falsch! Ich bin Prepper. Das Wort kommt vom englischen prepared (vorbereitet) und beschreibt Leute, die sehr planvoll Vorräte für Notsituationen anlegen, also z.B. die Männergrippe, den Überfall durch die Armee des Fürstentums Liechtenstein, eine Invasion von Ausserirdischen und ähnliche, gar nicht so unwahrscheinliche Szenarien. Wo der Hamsterer blindwütig WC-Papier hortet, werfen wir Prepper vor jedem Kauf einen Blick in Tiefkühltruhe und Vorratsschrank. Was fehlt? Und was ist gerade als Aktion erhältlich? Wachen Auges streifen wir als einsame Späher durch die verödeten Innenstädte und halten Ausschau nach bis dahin unbekannten Versorgungsmöglichkeiten. So habe ich beispielsweise bei uns um die Ecke – ich werde mich hüten, Ihnen die Adresse zu verraten! – einen Lebensmittelladen aus dem muslimischen Kulturkreis entdeckt, der Reis in Zehn-Kilo(!!)-Säcken anbietet. Mein untrüglicher Prepper-Instinkt wollte schon zuschlagen, aber die Lieblingsbündnerin meinte, ich solle das bleiben lassen, das gebe nur eine elende Sauerei, falls, wie bei mir durchaus zu erwarten, der Reissack nicht sachgemäss geöffnet würde. Dass ich Prepper bin, ist übrigens eine déformation professionnelle: Als Historiker weiss ich, was im Zweiten Weltkrieg hierzulande alles rationiert war, ausser Kartoffeln nahezu alles. Gut, damals herrschte in Deutschland ein grössenwahnsinniger Postkartenmaler, heute ist es eine nette Physikerin aus der Uckermark – aber wer sagt mir denn, dass es die Nürnberger Rostbratwürstchen vom Aldi auch zukünftig gibt? Falls sie knapp werden, wird Mutti dafür sorgen, dass erst der deutsche Aldi beliefert wird, und wir in der Schweiz sind auf ewig zur Cervelat verdammt.

Übrigens: WC-Papier habe ich natürlich schon. Wenn Sie also tauschen wollen – gegen Nürnberger Rostbratwürstchen zum Beispiel?

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