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Abschied und Neubeginn am Theater St. Gallen

Das Theater St. Gallen nimmt im Herbst seine letzte Saison in der provisorischen Spielstätte Umbau in Angriff. Als allerletzte Produktion steht Giuseppe Verdis Requiem auf dem Programm - spartenübergreifend.

Agentur
sda
05.05.22 - 14:03 Uhr
Kultur & Musik
Letzte gemeinsame Programmpräsentation im St. Galler Umbau: Operndirektor Jan Henric Bogen, Direktor Werner Signer, Schauspieldirektor Jonas Knecht, Konzertdirektor Florian Scheiber und Kinsun Chan, der Leiter der Tanzkompanie (von links).
Letzte gemeinsame Programmpräsentation im St. Galler Umbau: Operndirektor Jan Henric Bogen, Direktor Werner Signer, Schauspieldirektor Jonas Knecht, Konzertdirektor Florian Scheiber und Kinsun Chan, der Leiter der Tanzkompanie (von links).
Keystone-SDA/Nathalie Grand

Die kommende Spielzeit stehe im Zeichen des Abschieds, sagte der geschäftsführende Direktor Werner Signer von Konzert und Theater St. Gallen am Donnerstag vor den Medien. Zum Ende der Spielzeit 2022/2023 verlässt er seinen Posten altershalber.

Konzert und Theater St. Gallen wird mit dem neuen Direktor Jan Henric Bogen eine neue Führungsorganisation erhalten. Neben dem Schauspieldirektor Jonas Knecht werden auch der Konzertdirektor Florian Scheiber und Kinsun Chan, der Leiter der Tanzkompanie, St. Gallen verlassen.

«Wir müssen nicht nur in personeller Hinsicht Abschied nehmen, sondern auch auch von dem tollen Theatergebäude Umbau», so Signer. Für den Herbst 2023 ist die Rückkehr ins sanierte Stammhaus geplant.

Mit einem lauten Knall vom Provisorium verabschieden will sich Operndirektor Bogen. Verdis «Messa da Requiem» soll als Manifest des Zyklischen und des Neubeginns verstanden werden. Regisseur Krystian Lada setzt das Werk spartenübergreifend mit Mitgliedern der Tanzkompanie sowie des Schauspiel- und Musiktheaterensembles um.

Realisiert wird auch ein Gemeinschaftsprojekt von Musiktheater und Sinfonieorchester: Richard Wagners «Ring der Nibelungen» kommt konzertant in Auszügen mit Zwischentexten von Loriot zur Aufführung.

Kontrastreich

Das Motto des Musiktheaters in der kommenden Saison lautet «Gemeinsam anders sein». Von «Der anonyme Liebhaber» von Joseph Bologne bis hin zum 2021 uraufgeführten Werk «The Time of Our Singing» von Kris Defoort und Peter von Kraaij deckt die Sparte fast 250 Jahre Operngeschichte ab. Die Musical-Erfolgsstücke «Wüstenblume» und «Lady Bess» gehen in die Verlängerung.

Kinsun Chan will in seiner letzten Spielzeit am Theater St. Gallen neuen Talenten eine Plattform bieten - etwa in «Beast and Beauty» in der Lokremise. Kontrastreich ist auch das Stück «Jupiter und Venus». Bei der Uraufführung im Umbau wird die Tanzkompanie live vom Orchester begleitet.

Der letzte Vorhang

Im Schauspiel kommen mit «Anna Karenina» und «Ein Volksfeind» zwei klassische Stoffe auf die Bühne. Zeitgenössische Themen und das «sinnliche Erlebnis Theater» bleiben die Hauptanliegen von Jonas Knecht. Mit «Zwischen den Welten» lässt er zum Abschluss eine Reihe skurriler Gestalten gegen den letzten Vorhang ankämpfen. Der Bogen des Musiktheater-Stücks reicht von Brecht/Weill über Georgette Dee bis zu Elton John.

Für das Sinfonieorchester steht als einer der Saisonhöhepunkte die lange geplante und wegen der Corona-Pandemie mehrmals verschobene Zusammenarbeit mit der Litauischen Nationalphilharmonie Vilnius auf dem Programm. Es fühle sich an wie ein Neubeginn, sagte Scheiber: «Endlich keine Abstände mehr, keine Masken, keine Planänderungen.»

In der Meisterzyklus-Reihe verspricht der Konzertdirektor ein Line-Up von Superstars der internationalen Kammermusikszene. Zum Abschluss kommt der Rachmaninow-Zyklus mit Konzerten und CD-Einspielungen aller Klavierkonzerte.

Im Mittelpunkt der 18. Festspiele im Sommer 2023 steht die Oper «Andrea Chénier» von Umberto Giordano. In der Kathedrale präsentiert Kinsun Chan mit der Tanzkompanie sein Abschiedsstück «Erscheinungen». Das Konzertprogramm steht unter dem Motto «Révolutionnaire».

www.theatersg.ch

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