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Aktuelle Werkschau schweizerischen Literaturschaffens ist politisch

Aktuelle Werkschau schweizerischen Literaturschaffens ist politisch

Die Solothurner Literaturtage unter dem neuen Geschäftsführer Dani Landolf warten mit neuen Formaten auf, die schweizerisches Literaturschaffen in den Kontext gesellschaftspolitischer Fragen stellen. Und: Die Werkschau findet erneut online statt.

Agentur
sda
vor 1 Monat in
Kultur & Musik
Auch für die 43. Solothurner Literaturtage werden nur wenige Menschen persönlich anreisen. Treffen kann das Publikum die Autorinnen und Autoren indes per Audio- oder Videostream oder zum direkten Austausch per Zoom. (Archivbild)
Auch für die 43. Solothurner Literaturtage werden nur wenige Menschen persönlich anreisen. Treffen kann das Publikum die Autorinnen und Autoren indes per Audio- oder Videostream oder zum direkten Austausch per Zoom. (Archivbild)
Keystone/PETER SCHNEIDER

Als «zentrales Anliegen» bezeichnen die Verantwortlichen der Solothurner Literaturtage «die differenzierte Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Fragen». Entsprechend sind für die 43. Ausgabe der Werkschau, die erstmals von Geschäftsführer Dani Landolf verantwortet werden, neue Formate vorgesehen. Das wurde am Mittwoch an der Online-Programmvorschau deutlich.

So sind drei Podien vorgesehen, die Literatur in den Zusammenhang mit Politik stellen. Elisabeth Bronfen, Anglistikprofessorin in Zürich, wird mit dem Autor Jonas Lüscher und der Autorin Marina Stepanova aus Russland sowie mit dem Politologen Nanad Stojanovic über Populismus diskutieren.

Über den Identitäts-Diskurs tauschen sich der Autor Martin R. Dean mit seinen Kolleginnen Dorothee Elmiger und Léonora Miano aus Kamerun sowie der Autorin und Kulturwissenschaftlerin Mithu M. Sanyal aus. «Literatur und Krise» ist das Thema eines weiteren Podiums mit Martina Clavadetscher, Gertrud Leutenegger und Alberto Nessi unter der Leitung des Kunsthistorikers Lukas Gloor.

Neu vorgesehen ist zudem eine Reihe, in der sich jeweils eine Autorin oder ein Autor mit Politikerinnen und Politikern treffen: Unter dem Titel «Kunst trifft Politik» sollen Zora del Buono mit der Grünen-Politikerin Regula Rytz sowie Annette Hug mit Mitte-Parteipräsident Gerhard Pfister diskutieren.

13 Gäste aus dem Ausland

Zudem wollen die Solothurner Literaturtage neben schweizerischem Literaturschaffen aus allen vier Sprachregionen auch die fünfte Landessprache zu Wort kommen lassen; vier Schweizer Autorinnen und Autoren mit Migrationshintergrund haben ihren Auftritt. Sie leben seit langem in der Schweiz und schreiben in ihrer jeweiligen Muttersprache tamilisch, serbisch, kroatisch oder ukrainisch.

Und: 13 Autorinnen und Autoren aus dem Ausland sind eingeladen, beispielsweise Elke Heidenreich aus Deutschland, Monika Helfer aus Österreich, Marie-Hélène Lafon aus Frankreich oder der Palästinenser Mazen Maarouf aus dem isländischen Exil. Geplant ist, dass sie alle eigens in die Schweiz reisen.

Eine weitere Neuerung betrifft die literarischen Gattungen. So soll die Graphic Novel «fester Bestandteil» der Werkschau sein, neben Prosa, Lyrik und Spoken Word. Eingeladen an die aktuelle Ausgabe sind die Illustratorin Simone F. Baumann und der Illustrator Jan Baumann. Wie in den Vorjahren haben zudem Kinder- und Jugendliteratur sowie Übersetzungen ihren Platz auf dem Programm.

Digital und kostenpflichtig

Die Solothurner Literaturtage finden in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal online statt. «Aber wir versuchen uns so lange wie möglich offen zu halten, zusätzlich zu den programmierten Veranstaltungen die eine oder andere mit Publikum durchzuführen, etwa auf einer Aussenbühne», sagt Landolf gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Auch wenn das Mitte Mai «vermutlich nicht im grossen Stil möglich sein wird», so hofft er doch auf fünf bis sechs Anlässe mit einem kleinen Publikum.

Anders als im Vorjahr ist die 43. Ausgabe der Solothurner Literaturtage trotz Durchführung im Netz kostenpflichtig. «Letztes Jahr hatten wir zu wenig Zeit, ein Ticketsystem vorzubereiten», so Landolf. Deswegen habe man 2020 das Programm reduziert und dafür gratis angeboten. Dieses Jahr nun soll das Publikum bezahlen für die geplanten rund hundert Veranstaltungen, die per Audio- oder Videostream oder interaktiv per Zoom angeboten werden.

Landolf hofft auf die Zahlungsbereitschaft des Publikums und setzt auf ein dreistufiges Modell, mit vergünstigten Eintritten, normalen Preisen und solchen mit Solidaritätszuschlag. Denn: «Kultur hat ihren Preis.»

Bereits im letzten Jahr war Landolf, damals noch unter der Geschäftsführung von Reina Gehrig, an der Organisation der Solothurner Literaturtage beteiligt. Inzwischen hat er die Geschäftsleitung übernommen. Für die aktuelle Ausgabe der Werkschau wurden Autorinnen und Autoren berücksichtigt, die zwischen Juni 2020 und Anfang Mai 2021 ein Werk veröffentlicht haben. Die 43. Ausgabe der Solothurner Literaturtage finde vom 14. bis 16. Mai statt.

www.literatur.ch

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