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«Social Distancing hat am Festival nichts verloren»

«Social Distancing hat am Festival nichts verloren»

Ein weiterer Sommer ohne Open Air Lumnezia: OK-Präsident Norbert Cavegn spricht über die Gründe der Verschiebung – und darüber, wie das Festival im kommenden Jahr aussehen könnte.

Südostschweiz
vor 1 Monat in
Kultur & Musik
Norbert Cavegn
Norbert Cavegn, OK-Präsident des Open Air Lumnezia, zu der erneuten Verschiebung des Festivals.
PHILIPP BAER

mit Norbert Cavegn sprachen Simon Lechmann und Mara Schlumpf

Auch diesen Sommer kann das Open Air Lumnezia nicht stattfinden. Weil Grossveranstaltungen auf unbestimmte Zeit verboten worden seien, sei eine Planung des Festivals aktuell unmöglich, sagt OK-Präsident Norbert Cavegn. Die bereits gekauften Tickets behalten ihre Gültigkeit – auf dass das Open Air 2022 stattfinden kann. 

Herr Cavegn, wir sitzen bei Ihnen im Büro in Chur. Ziemlich genau vor einem Jahr sassen wir auch schon hier zusammen, als es um die erste Absage des Open Air Lumnezia ging. Die zweite Absage, beziehungsweise die zweite Verschiebung – wie geht es Ihnen?

Norbert Cavegn: Es geht mir soweit gut. Vor einem Jahr mussten wir das Open Air absagen, weil es nicht bewilligt war. Dieses Jahr wissen wir nicht, ob es bewilligt würde. Und doch müssen wir es wieder verschieben. Das macht uns traurig. Aber es führt kein Weg daran vorbei. 

Wie sieht der Weg zu einer solchen Entscheidung aus? Trifft sich dazu das gesamte Organisationskomitee? Oder waren schlussendlich Sie allein die ausschlaggebende Stimme?

Die Absage ist ja nicht wirklich eine Überraschung. Eigentlich haben das alle erwartet. Besonders, wenn man bedenkt, welche anderen grossen Open Airs und Festivals diese Woche bereits abgesagt werden mussten. Die eigentliche Entscheidung fiel in einem kleinen Gremium. Klar wurde abgestimmt, der Entscheid lag aber auf der Hand.

Also gab es keine Gegen-stimmen, die forderten, noch zwei, drei Wochen abzuwarten, um zu sehen, ob sich die Situation doch noch positiv entwickelt?

Doch, auch diese Diskussion haben wir geführt. Aber der Bund hat am vergangenen Freitag keine Aussage zur Festivalbranche gemacht. Wenn man diese Entwicklung beobachtet, kann man davon ausgehen, dass wir in einem Monat auch nicht mehr gewusst hätten. Auf die Forderung, die unser Verband, die Swiss Music Promoters Association, schon lange stellt – nämlich, dass die Behörden den Kulturschaffenden endlich sagen, was Sache ist und ab wann Veranstaltungen mit zum Beispiel über 1000 Personen wieder möglich sein werden, wird vermutlich noch lange nicht eingetreten. Das ist nicht besonders zielführend.

Wäre es eine Option gewesen, das Open Air Lumnezia in einem kleineren Rahmen, zum Beispiel mit einem Drittel der Zuschauerinnen und Zuschauer, durchzuführen? 

Das mag in der Theorie gut klingen, ist aber in der Praxis schlicht nicht umsetzbar. Finanziell wäre das undenkbar. Auch die Auflagen sind nicht umsetzbar. Social Distancing hat an einem Festival nichts verloren. Ebenso verhält es sich mit der Maskenpflicht, wir könnten nie alle Besucher kontrollieren. Entweder ziehen wir das Open Air Lumnezia richtig durch, mit allem, was dazugehört, oder gar nicht.

Ein Rückblick auf das Open Air Lumnezia der vergangenen Jahre:

Jene Künstlerinnen und Künstler, die bereits letztes Jahr hätten auftreten sollen, wären ja auch heuer geplant gewesen. Bleibt das angedachte Line-up auch für 2022 bestehen?

Wir machen uns dazu fortlaufend Gedanken. Es war bereits letztes Mal nicht einfach, diese Bands um ein Jahr zu schieben. Die Verunsicherung besteht verständlicherweise auch bei den Künstlern. Die Gefahr, dass eine internationale Band nicht kommen kann, ist sehr gross. Wie das Line-up 2022 aus-sehen wird, wissen wir noch nicht. Es stellt sich auch die Frage, ob wir uns einen Headliner wie Biffy Clyro überhaupt noch leisten können. Bei der Band hat sich in den letzten eineinhalb Jahren viel getan. Wenn Biffy Clyro noch möchte, und es das Budget nicht sprengt, würden wir sie natürlich sofort wieder buchen.

Bleiben wir bei den Finanzen. Wie wirkt sich das erneute Verschieben des Festivals auf die finanzielle Situation aus? Der Bundesrat hat für solche Fälle ja Gelder versprochen: hälftig vom Bund, hälftig vom Kanton getragen.

Dieser versprochene Rettungsschirm ist schön und gut, der gilt allerdings nur für bewilligte Anlässe. Wir wissen nicht, was das genau bedeutet. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass uns der Kanton Graubünden in Form einer Ausfallentschädigung unterstützen wird, wie er es bereits vergangenes Jahr getan hat. Dadurch, dass wir dieses Jahr noch nicht viel umgesetzt und ausgegeben haben, hält sich der finanzielle Schaden diesbezüglich in Grenzen. Klar haben wir Kosten generiert, diese werden wir aber stemmen können. Das Open Air Lumnezia ist finanziell nicht gefährdet.

Das Festival ist ausverkauft. Wie sieht es mit jenen Besucherinnen und Besuchern aus, die ihre Tickets nun schon seit geraumer Zeit besitzen – können die Tickets zurückgegeben
werden?

Das Open Air Lumnezia ist verschoben, nicht abgesagt. Deshalb erstatten wir die Ticketpreise nicht zurück. Damit haben wir bereits letztes Jahr gute Erfahrungen gemacht. 

Auch nicht, wenn das Line-up ändert?

Nein. Wer uns kennt, weiss, dass wir sicher nicht knausern würden, wenn wir denn Ersatzbands verpflichten müssten. Wir wollen den Besuchern schliesslich etwas bieten.

Machen Sie sich denn bereits jetzt Gedanken, ob das Festival im Sommer 2022 pandemiegerecht durchgeführt werden müsste?

Wir sind und bleiben optimistisch, dass wir das Festival im kommenden Jahr ohne Schutzmassnahmen durchführen können. Aber vielleicht müssen wir auch bis 2023 damit warten: Wer weiss? Das hoffe ich aber nicht.

Das ganze Interview zum Nachhören gibt es hier:

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Eigentlich Schade:das den Jungen von heute die Freude an einem Fest genommen wird.Nach meiner Ansicht reicht es auch ,das 2 Jahre von ihrem Leben gestohlen wird.Sei es mit Home Office oder Bildung.