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«Wertewandel» im Davoser Rathaus

«Wertewandel» im Davoser Rathaus

Der Bündner Künstler Marc B. Bundi sorgte Ende 2019 mit einer Pyramide aus WC-Papierrollen für Aufsehen. Nun zeigt er seine neuste Arbeit «Werte­wandel» an einem ausser­gewöhnlichen Ausstellungsort: im Davoser Rathaus.

Davoser
Zeitung
11.01.22 - 17:00 Uhr
Aus dem Leben
Vierseitige Pyramide aus 1785 WC-Papierrollen in der Galerie Cularta in Laax.
zvg

Als hätte er geahnt, was passieren wird. Im Herbst 2019, vor dem weltweiten Ausbruch der Corona-Pandemie, erstellte der Bündner Künstler und Grafiker Marc B. Bundi eine Pyramide bestehend aus 1785 WC-Papierrollen in der Galerie ­Cularta in Laax. Die Installation unter dem Titel «Werte» stellt die Frage nach der Wertigkeit von Gegenständen und betont die Wichtigkeit der jeweiligen Perspektive. Marc B. Bundi bewegten Fragen wie: «Welche Gegenstände sind mir wichtig? Mein Handy? Mein Auto? Wie bewerte und werte ich Gegenstände? Brauche ich stets das neuste Handy, wie dies die Werbung anpreist?» Seine Kunstinstallation nahm nicht zufällig die Form der Bedürfnispyramide des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow an, der damit ein Modell zur Bestimmung und Bewertung der menschlichen Be­dürfnisse schuf. «Werte» war von November 2019 bis Januar 2020 in der Galerie Cularta in Laax und von März 2021 bis April 2021 in der Galerie Obertor in Chur zu sehen. Bei der zweiten Ausstellung wandelte Bundi die Form von einer vierseitigen in eine dreiseitige Pyramide und spitzte so die perspektivische Wahrnehmung wortwörtlich weiter zu.

Landammann Philipp Wilhelm (links) und Marc B. Bundi.
zvg

Explizit Davos als Ausstellungsort gewünscht

Zu Beginn der Corona-Pandemie stürmten Konsumentinnen und Konsumenten die Einkaufsläden und leerten die Regale für Toilettenpapier. WC-Papier schien im März und April 2020 das neue Gold zu sein. Den Wertewandel vom ­profanen Alltagsgegenstand zu einem überaus begehrten Gut hat Marc B. Bundi in seiner neusten Arbeit thematisiert. Die Arbeit «Wertewandel» besteht aus einer WC-Papierrolle, die mit 24 Karat Blattgold überzogen wurde. «Bei dieser Arbeit geht es aber nicht nur um das Objekt als solches», betont Bundi. Das Kunstprojekt solle vielmehr zum Denken anregen darüber, wie der Wert der Dinge entsteht und wie Werte sich verändern können.Bundi war es ein Anliegen, seine Arbeit vom «Wertewandel» in Davos zu zeigen. Dort also, wo im Januar jeweils am Jahrestreffen des World Economic Forum zentrale Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft über Werte und Wandel debattieren. Im ersten Obergeschoss im Davoser Rathaus, wo Bundi sein Werk temporär installieren darf, steht normalerweise eine Skulptur aus Eisen und Messing des von 1990 bis zu seinem Tod in 2001 in Davos ansässigen Designers Ernest Hofmann Igl. Unter der rasterartigen Form schrieb der Künstler – passend zu Bundis Perspektivenfrage: «Ob das eingerahmte Kreuz zum Fenster oder Gitter wird, entscheidet jeder für sich selbst.» Igls Skulptur wird im April ihren angestammten Platz zurückerhalten.

Marc B. Bundi stammt aus Sagogn und studierte Design und Kunst in Zürich, Berlin und Luzern. Anfangs 2021 erhielt er ein Arbeitsstipendium der Stadt Zürich, das ihm die Umsetzung dieser Arbeit ermöglichte.

Das Kunstwerk «Wertewandel» wird vom 14. Januar bis am 31. März im Davoser Rathaus zu sehen sein und kann erworben werden. Weitere Informationen unter www.marcbundi.ch

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