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Doppelt so viele Wölfe in Graubünden

Doppelt so viele Wölfe in Graubünden

Der Wolfsbestand hat sich in Graubünden im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Zur Zeit sind es schätzungsweise fünfzig Tiere. Ausserdem bildeten sich zwei zusätzliche Rudel.

Agentur
sda
vor 1 Monat in
Aus dem Leben
Wolf
Wölfe nehmen grosse Distanzen auf sich, um neue Gebiete zu erschliessen.
ARCHIV / AMT FÜR JAGD UND FISCHEREI

Die rasche Ausbreitung der Wölfe in Graubünden sei aus Sicht der Artenvielfalt und der Ökologie faszinierend, schrieb das Amt für Jagd und Fischerei (AJF) in seinem Jahresbericht Wolf 2020. Im Jahr davor waren es schätzungsweise 25 Wölfe, jetzt verdoppelte sich deren Bestand.

Zudem bildeten sich zwei neue Rudel. Die insgesamt sechs Wolfsrudel gebaren im letzten Jahr rund dreissig Welpen. Es sei davon auszugehen, dass die Bestände trotz einer hohen Sterblichkeit von Jungwölfen, weiter zunehmen, so das AJF.

Die vielen Wölfe stellen den Kanton Graubünden aber auch vor Herausforderungen. Die bevorzugte Nahrung der Raubtiere sind der Rothirsch und andere Wildtiere. Es wurden 169 Kadaver von Hirschen, Gämsen und Rehen gefunden. Allerdings rissen die Wölfe auch viele Nutztiere.

Waren es 2019 noch 127 Risse, verdoppelten sich diese im letzten Jahr auf 257. Dies sei die Konsequenz bei so vielen Wölfen, sagte der Amtsvorsteher Adrian Arquint auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Knapp 127'000 Franken habe das AJF 2020 den Nutztierhaltern als Entschädigung für die Risse bezahlt.

Herdenschutz kommt an seine Grenzen

Die Alpbetriebe schützten ihre Tiere mit Herdenschutzhunden und Elektrozäunen. Trotzdem war der Schutz nicht immer voll gewährleistet, wie die vielen Risse zeigen. Dies sei abhängig vom Gelände, Witterungsverhältnissen und der Qualität der Herdenschutzhunde, erklärte Arquint.

Das AJF wünscht sich, die Wolfsbestände regulieren zu können. Dafür braucht es aber die Erlaubnis des Bundesamts für Umwelt (Bafu). Im vergangenen Jahr wollte der Kanton zwei Jungwölfe nach Rissen eines Kalbs und eines Esels abschiessen. Das Bafu wies das Gesuch jedoch zurück mit der Begründung, dass das Kalb ungeschützt war und der gerissene Esel keinen grossen Schaden darstelle.

Knapp 2800 Beobachtungen und Hinweisen zu Wölfen ging das AJF im letzten Jahr nach. Bei drei Wölfen gelang es, ein GPS-Halsband umzuhängen. Die Behörden versprechen sich davon Daten über die genauen Aufenthaltsorte der Tiere. Ausserdem soll ein Wolf, der die Besenderung mit einem negativen Erlebnis in der Nähe von menschlichen Einrichtungen in Verbindung setzt, die Nähe zu Menschen stärker meiden.

Wölfe wandern aus ganz Europa an

Mit Hilfe von DNA-Analysen konnte das AJF die genaue Herkunft der Wölfe ermitteln. Dabei konnten sie zwei Wölfe aus dem Balkan und dem mitteleuropäischen Raum registrieren. Bisher wanderten die Tiere nur aus Italien ein.

Dies zeige eindrücklich, welch grosse Distanzen der Wolf auf sich nehme, um neue Gebiete zu erschliessen, erklärte Adrian Arquint. Auch in den kommenden Jahren rechne man damit, dass vermehrt Wölfe aus weiteren Entfernungen nach Graubünden wandern. Die Population nehme in ganz Europa zu.

Das Bedürfnis nach Informationen zu den Wölfen in Graubünden wachse stetig, hiess es im Jahresbericht weiter. Deshalb ist seit letztem Juni ein System in Betrieb, welches alle Raubtierereignisse im Kanton erfasst. Es erlaubt zudem, Nutztierhalter mit einer SMS zu warnen, wenn sich ein Wolf oder ein Rudel seiner Herde nähert. Im Jahr 2020 versendete das AJF rund 73'000 SMS.

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