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Bald ist das neue Heim bezugsbereit

Bald ist das neue Heim bezugsbereit

Die «AO-Schafe» – eine Herde von spezifisch pathogenfreien (SPF) Schafen für präklinische Forschungszwecke – stehen kurz vor dem Einzug in neue Quar­tiere.

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Wo im Frühjahr nur ein grosses Loch zu sehen war ...
AO Foundation, Communications & Events

Die Arbeiten an ihrem zukünftigen Zuhause, einem speziell gebauten Tierstall, sollen bald abgeschlossen sein. 

«SPF-Tiere sind frei von einer Reihe vordefinierter Krankheiten. Dies reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass sie während einer Studie erkranken und die Forschungsdaten schwächen», sagt Stephan Zeiter, Programmleiter Präklinische Dienste und Fokusbereichsleiter Präklinische Chirurgie am AO Forschungsinstitut Davos (ARI): «Der Einsatz von SPF-Tieren verbessert daher die Qualität der Forschung», erklärt er. Es wirkt sich auch positiv auf das Tierwohl aus, ergänzt der Tierarzt: «Dadurch brauchen wir ins­gesamt weniger Schafe für unsere Forschung.»

SPF-Schafe sind für viele präklinische Studien sowohl am ARI als auch an anderen Institutionen von entscheidender Bedeutung. Im Gegensatz zu SPF-Mäusen oder -Ratten sind sie jedoch nicht von spezialisierten Züchtern erhältlich. Aus diesem Grund hat das ARI in den letzten Jahren unter der Leitung von Urban Lanker, Manager Präklinische Einrichtungen und selbst Landwirt, eine eigene SPF-Schafherde aufgebaut. Es ist die einzige Herde dieser Art ausserhalb Nordamerikas. «Der Aufbau einer SPF-Schafherde, wo zu Beginn alle Geburten durch Kaiserschnitt erfolgen, ist jedoch nur ein Teil des Pro­blems», sagt Lanker. «Sie frei von Krankheitserregern zu halten, ist eine weitere Herausforderung.» Der neue Stall wird sicherstellen, dass die Schafe von anderen möglicherweise infizierten Tieren getrennt bleiben. Eine Biosicherheitsbar­riere mit einer Luftdusche, Umkleideka­binen für das Personal sowie leicht zu reinigenden Wänden und Installationen verhindert eine passive Krankheitsübertragung durch Menschen oder Geräte.

Höchster Standard

Die Anlage wurde nach aktuellen Tierschutzstandards gebaut. Dazu gehört zum Beispiel ein grosszügiges Freigehege, das die Tiere auf natürliche Weise beschäftigen soll. Im Inneren passt sich ein Belüftungssystem den Temperaturverhältnissen draussen an: Bei warmem Sommerwetter kann es schnell frische Luft hereinbringen, während kältere Winterluft langsamer in den Stall eingeführt wird. Das Beleuchtungskonzept sorgt dafür, dass die Tiere von einem natürlichen Lichtkreislauf profitieren, als ob sie überwiegend im Freien gehalten würden. Eine Biogasanlage vergärt den Mist der Tiere und produziert sowohl Wärme als auch ausreichend elektrische Energie für den Stall selbst und für die präklinische Einrichtung des ARI.

... steht nun ein neuer Stall. Noch ist der Innenausbau im Gang. 
AO Foundation, Communications & Events

Letzte Arbeiten

Von aussen sieht der direkt neben dem Hauptgebäude liegende Neubau bereits fertig aus. Im Inneren werden derzeit die Strom- und Lüftungsanlagen installiert. «Wenn alles nach Plan läuft, werden wir bis Ende des Sommers mit den ersten Schafen in ihren neuen Stall umziehen», sagt Lanker. «Dann können wir uns zum ersten Mal selbst davon überzeugen, ob unser Konzept tatsächlich funktioniert.»

Das ist nicht selbstverständlich – die Planung und der Bau einer Anlage für einen so einzigartigen Zweck erforderte in vielerlei Hinsicht neue Wege. Es bedeutete für alle Beteiligten, wie Lanker es ausdrückt, ständig Neues zu lernen. «Ich freue mich sehr, dass dieses Projekt verwirklicht wird», sagt Prof. R. Geoff Richards, Direktor des ARI und Geschäftsführender Direktor der AO Foundation Forschung und Entwicklung. «Wir werden nicht nur die erste SPF-Herde in Europa haben. Darüber hinaus wird unser Biogasprojekt den Methanausstoss in die Atmosphäre unserer Tiere reduzieren und gleichzeitig unsere Forschungsgebäude mit erneuerbarer, grüner Energie und Wärme versorgen. Wir werden jährlich lokale Schulen einladen, unsere Bio­gasanlage zu besuchen. So soll die junge Generation von der Kraft erneuerbarer Energien überzeugt und lokale Landwirte ermutigt werden, diesen Prozess für ihre Betriebe in Betracht zu ziehen.»

Interessenten vorhanden

«Sobald sich die Herde in ihrem neuen Quartier etabliert hat, wird der nächste Schritt sein, sie zu vergrössern. Wir erwarten zwei weitere Kaiserschnitt-runden, bevor sich die Herde weitgehend natürlich fortpflanzen kann», sagt Zeiter. Bei voller Auslastung wird der neue Stall 240 Schafe beherbergen und jährlich rund 100 Tiere für die Forschung liefern. Sie werden nicht nur bei ARI, sondern auch bei einer Reihe anderer interessierter Institutionen zum Einsatz kommen. (ARI)

 

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