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Für ein zukunftsträchtiges Miteinander im Sertig

Für ein zukunftsträchtiges Miteinander im Sertig

«Trail Toleranz» – dank dieses Konzepts sollen Wanderer und Biker die Davoser Wanderwege mit- einander nutzen. Doch diese Toleranz wurde in der jüngeren Vergangenheit stark strapaziert...

Andri
Dürst
vor 2 Monaten in
Tourismus
Zwei Sportarten, zwei Wege: Diee Trail-Entflechtung im Sertig 
ist einen Schritt weiter.
Walter Dürst (wdfotografie.ch)

... insbesondere auf den Wegen Jakobshorn–Sertig und Rinerhorn–Sertig. Eine Entflechtung ist daher angebracht.
Rund 80 Zentimeter – so viel Wegbreite müssen sich Fussgänger und Zweiradfahrer zwischen dem Jakobshorn beziehungsweise dem Rinerhorn und dem Sertig teilen. Doch ebendiese 80 Zentimeter sind bei beiden Nutzergruppen beliebt und wurden so Opfer ihres eigenen Erfolgs. 2014 wurde die bis dahin bei Mountainbikern wenig bekannte Strecke vom Jakobshorn via Sertig zum Rinerhorn (Jatzmeder) und weiter in Richtung Monstein und Filisur von der internationalen Mountainbike-Organisation IMBA als «Epic Trail» ausgezeichnet. «Diese Auszeichnung, die in der Mountainbike-Szene einen grossen Stellenwert hat, erhalten weltweit nur wenige Trails. Der Davoser Epic Trail ist der erste und bisher einzige der Schweiz und hat auch deshalb in den letzten Jahren innerhalb der internationalen Mountainbike-Szene sehr viel Popularität erhalten», heisst es in den Unterlagen, die anlässlich der öffentlichen Mitwirkung aufliegen. Doch auch immer mehr Wanderer hätten die beiden Wege in den letzten Jahren für sich entdeckt. Denn die Routen bieten alles, was das Alpinistenherz begehrt: wunderbares Panorama, weidende Kühe, plätschernde Bergbäche und so weiter. Doch hatten die Gemeinde und die Destination eine Zunahme von Reklamationen feststellen müssen – Wanderer müssen oft den Bikern ausweichen, und umgekehrt ist es auch den Bikern unangenehm, ihre Weggenossen ständig stören zu müssen.
Bereits seit Längerem wird daher ins Auge gefasst, auf den beiden Wegen getrennte Spuren für beide Anspruchsgruppen zu erstellen. Dafür müssen einige Wegabschnitte neu angelegt werden. «Um die planerischen Voraussetzungen für den Bau der neuen Wege beziehungsweise eine Entflechtung zu schaffen, sind diese im Generellen Erschliessungsplan festzulegen», heisst es in den Unterlagen, die noch bis am 21. April öffentlich aufliegen. «Während der Mitwirkungsauflage können Grundeigentümer und andere Interessierte schriftlich Wünsche und Anträge an den Kleinen Landrat richten», wird ausgeführt.

Abschnitt Jakobshorn-Sertig

Im Zuge der Planungen wurde auch in Erwägung gezogen, die Wanderer über den Gratweg (via Witihüreli und Tällifurgga) zu führen. Diese Idee wurde aber aus verschiedenen Gründen wieder verworfen. Klar ist: Zwischen der Bergstation Jakobshorn und dem Speichersee Stadleralp gibt es keinen Handlungsbedarf, da dort eine breite Betriebsstrasse zur Verfügung steht. Das «Konzept Entflechtung» sieht vor, die Mountainbiker vom Speichersee bis ins Sertig auf dem bestehenden Weg zu führen. «Dieser Weg wird künftig in seiner heutigen Ausprägung als Singletrail unterhalten und punktuell saniert», heisst es im Konzept. Dazu gehöre auch eine teilweise Renaturierung heute verästelter Wegabschnitte. Die Wanderer kommen in den Genuss eines neuen, etwas schmaleren Weges, der vom Mountainbikeweg räumlich getrennt angelegt wird. «Wo eine Entflechtung möglich ist, wird der neue Wanderweg so angelegt, dass er stets wenige Meter oberhalb des Mountainbikewegs verläuft», so der Plan. Weiter heisst es: «Am Ausgang des Arbewalds zweigt der Wanderweg rechts ab und kreuzt dabei einmal den Mountainbikeweg. Die Kreuzung wird durch geeignete Massnahmen gesichert».
Doch nicht überall ist eine Entflechtung möglich. Grund dafür ist eine teilweise fehlende Einwilligung der Grundeigentümer. Auf den betroffenen Abschnitten ist also weiterhin die «Trail-Toleranz» gefragt. Das Trassee werde aber auf gewissen Abschnitten geringfügig verbreitert, um Ausweichmöglichkeiten zu schaffen. Insgesamt werden 1670 Meter Weg neu angelegt, während 1760 Meter verbreitert werden.
Vonseiten der Gemeinde ist Statthalter Stefan Walser für die Entflechtung zuständig. Da die Wanderwege über diverse private Parzellen verlaufen, waren teils zähe Verhandlungen mit den zahlreichen Grundeigentümern nötig. Bezüglich des weiterhin gemeinsam benutzten Weges spricht er gegenüber der DZ von einem «Kompromiss, den man bei so einem grossen Projekt eingehen muss». Die oben erwähnten Grundeigentümer hätten sich nicht bereit erklärt, Land für einen zweiten Weg zur Verfügung zu stellen. Auf die Anwendung des Enteignungsrecht werde aber verzichtet. Die nun aufgegeleiste Entflechtung habe auch gezeigt, wie mit dem «Masterplan Biken» verfahren werden muss. Dieser Plan sollte in den nächsten Jahren für die Gemeinde erstellt werden – «Knochenarbeit», wie der Statthalter prophezeit.

Der Wanderweg Jakobshorn-Sertig erfreut sich sowohl bei Wanderern als auch bei Bikern grosser Beliebtheit.
ad

Abschnitt Rinerhorn-Sertig

Komplett durchgehend entflechtet werden soll hingegen die 5400 Meter lange Strecke auf der anderen Talseite, wobei der Wanderweg stets wenige Meter oberhalb des Mountainbikewegs verläuft. «Jeweils der untere Weg gehört den Mountainbikern – dies aus sicherheits- technischen Überlegungen», ergänzt Walser. Kein Handlungsbedarf besteht auf dem Abschnitt Äbiruügg–Jatzmeder, da auch dort eine Betriebsstrasse besteht.
Eine Knacknuss wird auch in Zukunft der «Gegenverkehr» auf der Rinerhornseite darstellen. Denn die offizielle Bikeroute von Schweiz Mobil führt bergab, während der Epic Trail bergauf führt. Auch nach der Entflechtung müssen sich die Zweiradfahrer also auf Kreuzungen einstellen. Die Akzeptanz für diese Situation sei aber innerhalb der gleichen Nutzungsgruppe hoch, heisst es im Konzept.
Bei der Projektierung war auch die Handhabung der Querverbindung Sertig-Dörfli–Sertigbach–Wanderweg ein Thema. Wanderer, die vom Rinerhorn herkommend nicht bis Sand weiterlaufen, sondern in Richtung Sertig Dörfli abkürzen wollen, können diesen Weg weiterhin benützen – und zwar ohne Mountainbiker.

Umweltaspekten Rechnung tragen

Die verschiedenen in den Unterlagen zu findenden Berichten thematisieren auch diverse Umweltaspekte. Zudem fand im Frühsommer 2020 eine Begehung mit verschiedenen involvierten Ämtern und Umweltschutzorganisationen statt.
Der Bau des neuen Wanderwegs respektive des neuen Mountainbikewegs erfolge gestützt auf die «Grundsätze für einen nachhaltigen Wegebau», wird in den Unterlagen versprochen. «Die Wege werden so angelegt, dass die Auswirkungen auf die Landschaft und das Weideland so klein wie möglich bleiben und auch der Unterhaltsaufwand klein bleibt (gute Entwässerung; optimiertes Gefälle, gute Einbindung der Linienführung in das natürliche Gelände). Das heisst, dass auch nicht eine downhill-artige Strecke angelegt wird: «Auf dem neu anzulegenden Mountainbikeweg sind keine Sprünge, Anliegerkurven oder andere künstlich angelegte Elemente vorgesehen».
Die Davoser Trail-Crew wird auch für den Unterhalt der neuen Wege zuständig sein. Läuft alles nach Plan, wird sich im Sommer der Grosse Landrat mit der Vorlage auseinandersetzen. Die Bauarbeiten könnten dann nächstes Jahr in Angriff genommen werden. Auf Anfrage meint Walser, dass die gesamten Arbeiten wohl mehr als einen Sommer in Anspruch nehmen werden.

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