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Die Gegenwart in den Beinen, die Zukunft im Kopf

Marc Hirschi ist daran, die Weichen für seine sportliche Zukunft zu stellen. Sein Vertrag mit UAE Emirates läuft aus, ein Wechsel zum Schweizer Tudor-Team steht im Raum.

Agentur
sda
11.06.24 - 04:00 Uhr
Mehr Sport
Marc Hirschi - eines der Schweizer Aushängeschilder an der Tour de Suisse
Marc Hirschi - eines der Schweizer Aushängeschilder an der Tour de Suisse
KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Die Verhandlungen führt der Berner Hirschi wegen eines Interessenskonflikts selber.

Die Tour de Suisse fährt dieser Tage durchs Land und mit ihr auch Marc Hirschi. Auf seinem Trikot prangt das Logo von UAE Emirates. Die vierte Saison wird womöglich seine letzte in der Equipe um die Ausnahmeerscheinung Tadej Pogacar sein. Hirschis Vertrag läuft Ende Saison aus.

Der Berner hat deshalb aktuell nicht nur das Velofahren im Kopf. Und doch: Gegen aussen wirkt Hirschi entspannt, wie man das von ihm gewohnt ist. Mit gutem Grund: Avancen mehrerer anderer Teams bringen ihn bei der Planung seiner sportlichen Zukunft in eine komfortable Situation.

Das Buhlen um den 25-Jährigen, der sich 2020 an der Tour de France ins Rampenlicht katapultiert hat, läuft bereits seit einiger Zeit. Zu den Interessenten gehören mehrere Mannschaften der World Tour, aber auch die Schweizer Teams Q36.5 und Tudor. «Viele Teams zeigen Interesse. Ich bin nach wie vor aber auch mit UAE Emirates in Kontakt», sagt Hirschi.

Verhandlungen in Eigenregie

Bei den Gesprächen ist Hirschi grösstenteils auf sich alleine gestellt. Der Grund ist ein Interessenskonflikt. Denn Fabian Cancellara, der wie Hirschi aus Ittigen stammt und ihn seit einigen Jahren managt, ist gleichzeitig auch Besitzer des Teams Tudor. Deshalb wurde die Zusammenarbeit mit dem zweifachen Olympiasieger auf Eis gelegt. «Wir haben beide gemerkt, dass es in dieser Konstellation nicht weiter gehen kann», so Hirschi. Der Vertrag mit der von Cancellara geführten Agentur Sette Sports wird per Ende Jahr aufgelöst.

Als Berater steht Hirschi Thomas Peter, der Geschäftsführer des nationalen Radsportverbandes Swiss Cycling, zur Seite. Die Verhandlungen mit den Teams führt Hirschi aber selber. «Ich werde bestimmt auch Fehler machen, weil ich gewisse Dinge nicht weiss», sagt er zu seiner Situation. «Der Austausch war gut. Jetzt gilt es abzuwägen, was am besten zu mir passt.»

Den nächsten Schritt machen

Die Fragen drehen sich ums Geld, Material oder die Rolle im Team. Klar ist: Für Hirschi steht einiges auf dem Spiel. Der nächste Vertrag dürfte für den weiteren Verlauf seiner Karriere entscheidend sein. Für Hirschi geht es darum, den nächsten Schritt zu machen - vom sehr guten zum absoluten Topfahrer. Dafür spricht, dass er zu einem Arbeitgeber wechselt, bei dem er künftig eine Leaderrolle übernehmen kann.

Das ist derzeit bei UAE Emirates nicht der Fall. Dort ist Hirschi einer von vielen - und über allen steht mit seinen Leistungen Tadej Pogacar. Hirschi bekommt selten die Chance, in den ganz grossen Rennen zu zeigen, was er drauf hat. So wie er das 2020 getan hat, als ihm mit einem Etappensieg an der Tour de France der Durchbruch gelungen war und er anschliessend mit WM-Bronze und dem Sieg im Klassiker Flèche Wallone die Bestätigung folgen liess.

Danach gabs den Wechsel von Sunweb zu UAE Emirates und für Hirschi zwei schwierige Saisons, in denen er wegen Hüftproblemen zurückgeworfen wurde. Im letzten Jahr fand Hirschi zu alter Stärke zurück; unter anderem gewann er die Ungarn- und die Luxemburg-Rundfahrt.

Solid, aber nicht überragend

Seine Leistungen in der aktuellen Saison beurteilt er als «solid, nicht schlecht, aber auch nicht überragend». Mit dem 2. Platz am Amstel Gold Race hat Hirschi Mitte April bewiesen, dass er auch in Rennen auf höchster Stufe bestehen kann, sofern er denn die Chance bekommt, um den Sieg mitzufahren, und nicht nur Helferdienste verrichten muss.

Den Fokus hat Hirschi in diesem Jahr auf die Heim-WM gelegt, die im September in Zürich stattfinden wird. «Die Strecke liegt mir ziemlich gut.» Eine Grand Tour, es wäre seine erste seit der Tour de France vor zwei Jahren, wird er auch in diesem Jahr nicht bestreiten. Noch offen ist ein möglicher Start an den Olympischen Spielen. Die Schweiz hat für Paris 2024 zwei Startplätze, die für das Zeitfahren und das Strassenrennen gelten. Einer dürfte für Stefan Küng reserviert sein, für den zweiten ist Hirschi ein heisser Kandidat.

Wenn am 3. August in der französischen Hauptstadt um die olympischen Medaillen im Strassenrennen gefahren wird, wird auch Hirschis sportliche Zukunft geregelt sein. «Ich bin im Entscheidungsprozess schon relativ weit.» Am 1. August will er kommunizieren. Ab diesem Datum dürfen Transfers im internationalen Radsport offiziell bekannt gegeben werden.

Bis es soweit ist, kann Hirschi auf der Strecke noch Werbung in eigener Sache machen. Am liebsten mit einem Etappensieg an der Tour de Suisse.

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