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Aus der Kabine direkt in die Isolation

Aus der Kabine direkt in die Isolation

So hatte sich Simon Knak die U20-WM in Kanada nicht vorgestellt: Statt als Captain für die Schweiz zu spielen, musste er nach einem positiven Corona-Test zehn Tage isoliert in Red Deer verbringen.

Hansruedi
Camenisch
11.01.22 - 12:00 Uhr
Eishockey
Simon Knak freut sich auf den weiteren Meisterschaftsverlauf.
SO (Olivia Aebli Item)

Der 23. Dezember 2021 wird Simon Knak in Erinnerung bleiben. «Ich war gerade daran, mich in Red Deer in der Kabine im Eisstadion auf das Training vorzubereiten, meine Schlittschuhe hatte ich bereits geschnürt», erzählt der 19-jährige HCD-Stürmer. «Da kam unser Teamarzt Simon Schaller rein und sagte zu mir ‹Simon, du hast leider Corona›. Das Training wurde unverzüglich abgebrochen. Die ganze Mannschaft musste vorsichtshalber für zwei Tage in Quarantäne, ich selber wurde als einziger positiv Getesteter des Teams im Hotel für zehn Tage in einem Einzelzimmer isoliert.»

«Das Schlimmste war das Essen»

Für Knak war die Hiobsbotschaft ein Schock. «Ich wies keine Corona-Symptome auf. Nun musste ich während zehn Tagen meine Zeit allein im Hotelzimmer totschlagen», sagt er. «Filme und Serien via Netflix schauen sowie häufig mit der Freundin und der Familie in der Schweiz telefonieren» prägten seinen Alltag. Dank Video-Calls blieb der Pechvogel in Kontakt mit der Mannschaft und so auch ins Team involviert. Er versuchte, einen gewissen Tagesrhythmus aufrecht zu erhalten. Auf das Zimmer erhielt er ein Velo, «auf dem ich mich jeweils während 45 Minuten bis eine Stunde wenigstens bewegte, ohne allerdings den Puls hochzujagen. So empfand ich das Ganze als nicht allzu schlimm», bemerkt Knak. «Ab dem siebten Tag war es trotzdem fast nicht mehr auszuhalten: stets auf den gleichen paar Quadratmetern im Zimmer ohne frische Luft.» Am schlimmsten sei es jedoch mit der Verpflegung gewesen, die jeweils vor seine Zimmertür gestellt wurde. «Ich ­erhielt das tägliche Hotelessen. Es war schlecht. Ich konnte nichts individuell bestellen, auch nichts von ausserhalb, keinen feinen Burger», so Knak.

Hoffen auf U20-WM in Frühling

Knaks Teamkollegen konnten an der WM auch nur eine einzige Partie bestreiten – beim 2:4 gegen Russland. Am 28. Dezember wurde die U20-WM aufgrund zahlreicher Corona-Fälle in verschiedenen Mannschaften abgebrochen. «Das war für mich kein schlechter Entscheid», meint der junge HCD-Stürmer. «Jetzt hoffe ich nämlich, dass die WM im Frühling nachgeholt wird. Dann hätte unser Jahrgang auch eine faire Chance, etwas so Cooles zu erleben. Die WM wäre ­nämlich für all die jungen Spieler zu einer unglaublichen Erfahrung geworden.»Knak weiss, wovon er spricht. Er hatte die Schweiz bereits im Jahr zuvor an der U20-WM im kanadischen Edmonton als Captain angeführt. Seine damaligen Auftritte als Teamleader und Leistungsträger waren mitentscheidend, dass er am 24. Juli 2021 beim NHL-Draft – als einziger Schweizer übrigens – von den Nashville Predators in der sechsten Runde ausgewählt wurde. Trotzdem entschied er sich, die laufende und auch die nächste Saison beim HCD zu spielen. Nashville und Knak sind überzeugt, dass er bei Davos optimale Perspektiven für seine Entwicklung hat. HCD-GM Jan Alston hält viel von Knak: «Mit seiner professionellen Einstellung, seinem Talent und seinem für sein Alter schon grossen Spielverständnis hat er das Potenzial, in jeder Mannschaft eine wichtige Rolle einzunehmen».

«Wieder hungrig auf Eishockey»

Nach seiner Rückkehr aus Kanada absolvierte Knak in der vergangenen Woche beim HCD das von der Nationalliga für Corona-Genesene vorgeschriebene «Return to Play»-Programm. «Ich fühle mich recht gut. Die Pause konnte ich zum Erholen nutzen», sagt er. «Wir sind bezüglich Form bereit für den Match am Dienstagabend gegen Servette in Genf. Die ganze Mannschaft ist hungrig auf Eishockey.»

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