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Ex-Geisel ruft Israelis zu Demo für Entführte auf - Nacht im Überblick

Eine Woche nach seiner Befreiung aus dem Gazastreifen hat die ehemalige Hamas-Geisel Andrey Kozlov alle Israelis zu einer Grossdemonstration für seine Leidensgenossen in der Gewalt der Hamas aufgerufen. «Ich bin wieder zu Hause in Israel, aber viele Geiseln sind noch immer im Gazastreifen», sagte der 27-Jährige in einer am Freitag veröffentlichten Videobotschaft. «Ich habe an den Samstagen oft die Demonstrationen gesehen und sie haben mir viel Hoffnung gegeben. Ich bitte euch, an diesem Samstag wieder auf die Strasse zu gehen und die Geiseln und ihre Familien zu unterstützen.»

Agentur
sda
15.06.24 - 05:05 Uhr
Politik
ARCHIV - Palästinenser betrachten die Folgen des israelischen Bombenangriffs im Flüchtlingslager Nuseirat. Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpa
ARCHIV - Palästinenser betrachten die Folgen des israelischen Bombenangriffs im Flüchtlingslager Nuseirat. Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpa
Keystone/AP/Jehad Alshrafi

Israelische Soldaten hatten Kozlov und drei weitere Geiseln am Samstag vergangener Woche bei einem grossangelegten Militäreinsatz im Gazastreifen aus den Fängen der Hamas befreit. Nach - nicht unabhängig überprüfbaren - Angaben der von der Terrororganisation kontrollierten Gesundheitsbehörde sollen dabei 274 Palästinenser getötet und Hunderte weitere verletzt worden sein.

Unabhängige UN-Fachleute für Menschenrechte kritisierten das Vorgehen der israelischen Streitkräfte bei der Geiselbefreiung. Die Experten warfen Israel am Freitag vor, dass die Einsatzkräfte als Vertriebene und als humanitäre Helfer verkleidet in einem zivilen Lkw zum Einsatzort im Flüchtlingslager Nuseirat gelangt seien. Das sei völkerrechtswidrig und ein Kriegsverbrechen. Die zivile Tarnung sei hinterhältig, befanden die Fachleute, und sie setze echte humanitäre Helfer in Zukunft noch grösseren Risiken aus. Das israelische Militär hingegen bestritt, dass Soldaten getarnt in humanitären Hilfsfahrzeugen oder über eine provisorische Anlegestelle für Hilfsgüter vor der Küste des Gebiets in den Gazastreifen eingedrungen seien.

Laut einem Bericht der Zeitung «The Jewish Chronicle» sollen sich israelische Einsatzkräfte vor Beginn der Geiselbefreiung als palästinensische Flüchtlinge aus Rafah ausgegeben haben. Demnach mieteten sie eine Wohnung in der Nähe des Markts von Nuseirat, um Informationen über den Aufenthaltsort der Geiseln zu sammeln. Die eigentliche Geiselbefreiung wurde laut dem Bericht schliesslich von Beamten einer Spezialeinheit der Grenzpolizei durchgeführt, die versteckt in Lastwagen zum Einsatzort fuhren.

Noch 120 Geiseln im Gazastreifen vermutet

Bei dem Überfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppen auf Israels Grenzgebiet zum Gazastreifen am 7. Oktober waren mehr als 250 Menschen in die abgeschottete Küstenzone verschleppt worden. Derzeit werden dort noch rund 120 Geiseln vermutet, wobei unklar ist, wie viele von ihnen noch am Leben sind.

In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv gehen samstags regelmässig zahlreiche Menschen auf die Strasse, um für die Freilassung der verbliebenen Geiseln zu demonstrieren. Die Proteste richtigen sich häufig auch gegen die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, die aus Sicht der Opferfamilien nicht genug dafür tut, um ihre Angehörige heimzuholen.

US-Militär: Gaza-Pier muss temporär nach Israel geschleppt werden

Der vom US-Militär errichtete provisorische Pier im Meer vor dem Gazastreifen wird indes wegen rauen Seegangs vorübergehend an die israelische Küste geschleppt. Die Entscheidung sei nicht leichtfertig getroffen worden, aber die Sicherheit der beteiligten Soldaten habe höchste Priorität, teilte das zuständige Regionalkommando (Centcom) mit. Die vorübergehende Verlegung werde strukturelle Schäden an dem Pier verhindern. Er solle so schnell wie möglich zurückgeschleppt werden, sobald der Seegang es zulasse.

Über den Pier werden Hilfslieferungen in den Gazastreifen gebracht. Die Anlegestelle hatte bereits Ende Mai kurz nach Fertigstellung bei rauem Wellengang schweren Schaden genommen und musste repariert werden.

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