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Diskussion rund um den Kurpark

Die Frage zur Nutzung des Kurparks bewegt. Soll er vor allem Grossveranstaltungen zur Verfügung stehen oder eher mehr als Naherholungszone für die Gesamtbevölkerung dienen? Zwei Ansichten.

Barbara
Gassler
08.06.24 - 07:00 Uhr
Politik
Der Kurpark aus der Vogelperspektive. Hier soll am 15./16. Juni das Bünder Glarner Kantonalschwingfest stattfinden.
Der Kurpark aus der Vogelperspektive. Hier soll am 15./16. Juni das Bünder Glarner Kantonalschwingfest stattfinden.
zVg
Gegenüber den Mitgliedern der Davos Destinations Organisation (DDO) machte Tourismusdirektor Reto Branschi im Mai seinen Standpunkt klar. Er wehrt sich gegen die «Eventisierung» des Kurparks und schreibt: «In einer Petition an den Kleinen Landrat wird die touristische Nutzung des Kurparks für Veranstaltungen kritisiert. Im Kern verlangt die Petition, den Kurpark weniger für die Allgemeinheit und den Tourismus und mehr für die Interessen Einzelner freizuhalten. Die Destinationsorganisation lehnt dies ab, denn es würde dem Tourismus in Davos schwere Schäden zufügen.

Mit der Übernahme des Kurparks von den damaligen Eigentümern ging der damalige Kurverein die Verpflichtung ein, ihn im Sinne der Gäste von Davos zu nutzen. Diese Verpflichtung besteht noch heute. Die Petition verlangt nun aber, dass die touristische Nutzung des Kurparks durch Veranstaltungen eingeschränkt wird. Mit Grillstellen, Fussball, Skaterampe, Slacklines und Gastronomie solle der Park «belebt» werden. Eine «Eventisierung» des Parks lehnen die Initianten ab.

In ihrer ‹Argumentation zur Petition› kritisieren die Initianten: ‹... Weite Teile des Areals werden kaum genutzt, abgesehen von der Belegung durch den HCD sowie durch das WEF.› Der Dorn in ihrem Auge sind also unsere beiden wichtigsten Winteranlässe. Deshalb kritisieren sie den in der vorderen Hälfte des Parks erstellten Schotterrasen und den Holzbau, der dort alljährlich wichtige Raumbedürfnisse der beiden Anlässe aufnimmt. Über die Vorteile und die Notwendigkeit des Schotterrasens wurde schon ausgiebig berichtet. Ohne diesen stabilen Untergrund würden Bauten und Transporte für Events jedes Jahr schwere Schäden anrichten.

Ohne Eventhalle kein Spengler Cup, kein WEF

Zur Kritik an der Eventhalle möchte ich in aller Deutlichkeit sagen: Ohne sie gäbe es keinen Icedome am Spengler Cup und keine Medien- und Akkreditierungsräume am WEF. Beide Veranstaltungen würden dann nicht mehr in Davos statt­finden. Aber auch die angestrebte Verdrängung von anderen Veranstaltungen aus dem Park würde Davos und seinem Tourismus schwer schaden.

Die Destinationsorganisation stellt der Öffentlichkeit eine Reihe von Grundstücken und Anlagen zur Verfügung. Dazu gehören der Färich (mit dem Bike- und Seilpark), der Beelypark (Stadtgarten), die Sommersportanlagen und auch der Kurpark. Er steht – abgesehen von Veranstaltungsperioden – jederzeit allen ­offen.»

Die IG Kurpark will die Diskussion zur Nutzung lancieren

Die inzwischen entstandene IG Kurpark, die hinter der Petition steht, sieht sich keineswegs als Verhinderin von Grossveranstaltungen, doch in ihren Augen soll der «Kurpark ein Park für alle» sein. Auf Anfrage der DZ schreiben sie: «Die Anfang Mai lancierte Petition ‹Rettet den Kurpark› löste bereits viele Reaktionen aus. Dem Petitionskomitee ist es ein Anliegen, eine sachliche Diskussion zu führen und so den Davoser Kurpark zu einem Ort zu machen, von dem alle profitieren können.

Aus Sicht der Petitionärinnen und Petitionären haben in den letzten Jahren in Sachen Kurpark Entwicklungen statt­gefunden, die nicht im Interesse des Wohn- und Ferienortes Davos sind. Insbesondere der Abbau des sogenannten ‹Amphitheaters›, der Abbruch des historischen Eingangstores sowie die im letzten Herbst erfolgte Vergrösserung des Schotterrasens haben die Attraktivität des Areals weiter geschmälert. Bereits zuvor wurde, abgesehen vom bunten Blumenschmuck und dem Spielplatz, nur wenig getan, um den Park attraktiv zu machen.

Aus Sicht des Petitionskomitees wirkt es störend, dass die Bevölkerung bei der Entwicklung des Kurpark-Areals nicht miteinbezogen wurde. Die rechtlich fragliche Errichtung der Betonfundamente im letzten Herbst wurde nicht einmal als Bauvorhaben im Amtsblatt publiziert, sodass jegliche Einspruchsmöglichkeiten entfielen.

Gemeinschaftlich bestimmen

Die Petitionärinnen und Petitionäre möchten nun erreichen, dass die Zukunft des Kurparks gemeinschaftlich an die Hand genommen wird. In der Pflicht stehen dabei insbesondere die Eigentümerin des Kurparks, die Davos Destinations-Organisation (DDO), aber auch die Adressatin der Petition, die Gemeinde Davos. Auch der Hockey Club Davos (HCD) sowie das Weltwirtschaftsforum (WEF), die den provisorischen Pavillon ‹Loft 23› auf dem Kurpark-Areal nutzen, sollen in die Diskussionen miteinbezogen werden. Erste Gespräche mit den ­beiden Organisationen haben bereits stattgefunden.

Das Petitionskomitee möchte dabei keinesfalls die Existenz des für den HCD wichtigen Spengler Cups oder des WEF-Jahrestreffens gefährden, sondern konstruktiv neue Lösungen diskutieren. Erste Rückmeldungen an das Petitionskomitee zeigen, dass verschiedene Personen Interesse an einer Aufwertung des Kurparks haben, verschiedene Ideen wurden auch bereits geäussert. Die Zeit für einen Neustart beim Kurpark scheint insofern gut, als dass die DDO derzeit in ihrer neuen Destinationsstrategie festhält, den Kurpark attraktiver machen zu wollen. Auch die Gemeinde hat bereits verschiedene Investitionen in Grün- und Erholungsflächen angekündigt, womit es sinnvoll erscheint, auch beim Kurpark neue Konzepte zu definieren. Damit ­diese breit abgestützt sind und sowohl Einheimischen wie auch Feriengästen zugutekommen, regen die Petitionärinnen und Petitionäre an, die Bevölkerung in die Planung miteinzubeziehen und so das Areal zu einem Ort zu machen, der dem Namen ‹Kurpark› wieder gerecht wird.»

Die Petition «Rettet den Kurpark» läuft nach wie vor. Unterschriftenbogen für die Petition sind per Mail via rettet.den.kurpark@gmail.com erhältlich.

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