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Wie hielt es Davos mit dem Frauenstimmrecht?

Wie hielt es Davos mit dem Frauenstimmrecht?

Derzeit wird in allerlei Medien über die Einführung des Frauenstimmrechts vor 50 Jahren berichtet. Auch in der DZ war diese demokratische Neuerung ein Thema.

Davoser
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vor 4 Monaten in
News
Die Davoser «Männerbastion», im Bild eine Bsatzig in den 1920er-Jahren, wurde bereits 1970 «gestürzt».
zVg/ Dokumentationsbibliothek Davos

Ein Blick ins Archiv zeigt: Davos war im Kanton ein Vorreiter bei der politischen Partizipation der Frauen. Nachfolgend ein Artikel des damaligen stellvertretenden Chefredaktors Karl Rahn, erschienen in der DZ vom Dienstag, 2. Februar 1971.
Das Bündnerland war bislang für die Einführung des Frauenstimm- und wahlrechtes eher ein steiniger Boden. So schickten die Stimmbürger «Alt Fry Rätiens» die eidgenössische Frauenstimmrechts-Vorlage am 1. Februar 1959 mit 19 562 Nein und 5633 Ja eindeutig bachab. Neun Jahre später erging es auch der kantonalen Vorlage vom 20. Oktober 1968 nicht viel besser, doch lag bei einer Stimmbeteiligung von rund 50 Prozent das Verhältnis zwischen den ablehnenden und annehmenden Stimmen mit 13 523 Nein und 8615 Ja für die Befürworter eines allgemeinen Erwachsenen-Stimmrechts schon etwas günstiger. Dies ist das Abbild einer sich in gesamtschweizerischer Sicht wandelnden Situation. Ein erster Durchbruch zugunsten der politischen Gleichberechtigung der Frau im Kanton Graubünden erfolgte dann aber, als einer kantonalen Vorlage mit 8540 Ja gegenüber 5939 Nein zugestimmt wurde, welche die Bündner Gemeinden ermächtigte, das Frauenstimm- und -wahlrecht in Gemeindeangelegenheiten in selbständigem Entscheid einzuführen. War die Stimmbeteiligung mit rund 30 Prozent schwach, eröffnete der positive Ausgang der Abstimmung doch Von innen heraus ein vermehrtes Engagement der Frau. Schon am 12. April 1970 haben sich dann die Davoser Stimmbürger, die durch kantonales Recht geschaffene Möglichkeit nutzend, mit 599 Ja gegenüber 377 Nein und bei einer Stimmbeteiligung von 44 Prozent für die Einführung des Frauenstimm- und -wahlrechts in Angelegenheiten der Landschaft und der Fraktionen entschieden. Von der Möglichkeit der Einführung des Frauenstimmrechts in kommunalen Angelegenheiten haben bisher 13 Bündner Gemeinden Gebrauch gemacht.
[...] Nun stellt sich die Frage: Wie stellen sich die männlichen Stimmbürger unseres Kantons zur Frage der Einführung des Frauenstimm- und -wahlrechts in eidgenössischen Belangen? Die Parteien treten für Annahme der Vorlage ein und sind bereit, das Männerstimmrecht in ein allgemeines Erwachsenenstimmrecht umzuwandeln Es hat sich denn auch unter dem Präsidium von Nationalrat Georg Brosi aus Klosters ein Aktionskomitee für das Frauenstimmrecht gebildet. Doch die Reaktion liess nicht lange auf sich warten, denn das eidgenössische Aktionskomitee gegen die Einführung des Frauenstimmrechts ist an zahlreiche Persönlichkeiten des Kantons Graubünden gelangt, in einem gemeinsam unterzeichneten Aufruf gegen das Frauenstimmrecht Stellung zu nehmen. Die Frage ist nun, ob der Bündner Stimmbürger den Frauen, die in der wechselvollen Geschichte der vergangenen Jahrhunderte wacker am Geschehen mitzutragen hatten, das Tor der Gleichberechtigung auch auf eidgenössische Weiten öffnen wird, ober ob er dies erst über das kantonale Frauenstimm- und -wahlrecht tun wird.

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