Paul Gerhard Lienhard: Biopionier aus Davos
Der reformierte Theologe und Biobauer Paul Gerhard Lienhard (1923–2016) verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Davos. Später wurde er als früher Verfechter einer naturorientierten Landwirtschaft bekannt. Seinen Lebensabend verbrachte er wiederum in Davos – im Guggerbach, wo er seine Erinnerungen niederschrieb.
Der reformierte Theologe und Biobauer Paul Gerhard Lienhard (1923–2016) verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Davos. Später wurde er als früher Verfechter einer naturorientierten Landwirtschaft bekannt. Seinen Lebensabend verbrachte er wiederum in Davos – im Guggerbach, wo er seine Erinnerungen niederschrieb.
Die Primarschulzeit verbrachte Lienhard in Davos. Sein Vater wirkte hier als Vikar der reformierten Kirchgemeinde. Seine Grossmutter, eine geborene Salzgeber-Gredig, führte das Bellaria, in dem die Post untergebracht war. Neben Stallungen für die Pferde bot das Haus auch Gästezimmer für Reisende an.
Natur und Landwirtschaft gehörten für Lienhard bald zum Alltag. Früh entwickelte sich ein Verständnis von Verantwortung gegenüber Boden, Tier und Mensch, geprägt durch kirchliche Werte ebenso wie durch das bäuerliche Umfeld.
Vom Pfarrer zum Landwirt
Lienhard trat in die Fusstapfen seines Vaters, studierte Theologie und wirkte als reformierter Pfarrer. Seine Leidenschaft galt jedoch der Landwirtschaft. 1957 übernahm er gemeinsam mit seiner Frau das staatliche Landwirtschaftsgut Ebenrain in Sissach BL und widmete sich voll und ganz der naturnahen Landwirtschaft.
Anfang der 1970er-Jahre stellte er den Betrieb auf biologischen Landbau um. Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel galten als moderner Standard. Wer darauf verzichtete, stellte sich gegen eine breit abgestützte Entwicklung in Landwirtschaft, Politik und Beratung.
Widerstand und Anerkennung
Die Umstellung führte zu Spannungen. In landwirtschaftlichen Kreisen stiess sein Vorgehen auf Skepsis, teils auf offene Ablehnung. Lienhard galt als unbequemer Mahner. Seine Positionen wurden als rückwärtsgewandt bezeichnet, seine öffentliche Tätigkeit geriet unter Druck. Er hielt dennoch an seinem Weg fest. Für ihn bedeutete Landwirtschaft mehr als Ertrag und Marktmechanismen. Er sprach von Kreisläufen, von Bodenfruchtbarkeit und von Verantwortung gegenüber der Natur. Seine Argumentation war theologisch begründet, zugleich aber praktisch erprobt. Was damals als Sonderweg erschien, ist heute in weiten Teilen anerkannt. Der biologische Landbau ist fester Bestand-teil der Schweizer Landwirtschaft. Für sein langjähriges Engagement für eine naturverträgliche Bewirtschaftung erhielt Lienhard später unter anderem den Naturschutzpreis Baselland.
Rückkehr nach Davos
Seinen Lebensabend verbrachte er gemeinsam mit seiner Frau wieder in Davos, im Guggerbach. Dort entstand sein Buch Mein Bauernleben. Darin blickt er auf seinen Weg zwischen Theologie und Landwirtschaft zurück. Davos markiert in seiner Biografie Anfang und Ende zugleich.
Die Jahre seiner Kindheit gehören zu den frühen Prägungen eines Mannes, der landwirtschaftliche Fragen nicht nur technisch, sondern grundsätzlich verstand.
Bio in der Schweiz
1970er-Jahre
Erste Betriebe stellen auf organisch biologische Bewirtschaftung um. Der Ansatz gilt als Nischenbewegung.
1981
Gründung der Vereinigung Schweizerischer Biolandbau-Organisationen, später Bio Suisse.
1990er-Jahre
Wachsende Nachfrage, erste staatliche Förderinstrumente
Heute
Rund zwei Drittel der landwirtschaftlichen Fläche in Graubünden werden biologisch bewirtschaftet – schweizweit liegt der Anteil deutlich tiefer.
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