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«Ich bin mit mir absolut im Reinen»

Weltcup-Langläufer Jason Rüesch hat am vergangenen Dienstag via Soziale Medien seinen Rücktritt vom Rennsport per Ende Saison verkündet. Im Interview erläutert er unter anderem, was ihm die positiven Reaktionen aus aller Welt auf seine Ankündigung bedeuten.

Davoser
Zeitung
27.02.26 - 17:00 Uhr
Menschen & Schicksale
Jason Rüesch tritt Ende Saison zurück.
Jason Rüesch tritt Ende Saison zurück.
SO-Archiv (Dani Ammann)

Jason Rüesch, Sie haben am Dienstag Ihren Rücktritt vom Spitzensport gegeben. Wann stand für Sie fest, dass Sie zurücktreten werden?

Jason Rüesch: Eigentlich war für mich bereits vor der aktuellen Saison klar, dass dies meine Letzte als Aktiver sein wird. Als Spitzensportler denkt man von Grossanlass zu Grossanlass. Zwar stünde im nächsten Jahr eine Weltmeisterschaft auf dem Programm. Nachdem wir aber 2025 in Trondheim (Norwegen) Silber in der Staffel holten, denke ich, dass wir dies kaum mehr toppen können. Entgegen allen Vermutungen ist mir der Rücktrittsentscheid dann auch nicht schwer gefallen.

Und die verpasste Olympia-Qualifikation hatte tatsächlich keinen Einfluss auf Ihren Entscheid?

Im letzten Jahr hatte ich mir die aktuelle Saison schon ein wenig anders ausgemalt. Ich hatte eigentlich einen guten Start und schaffte die direkte Olympia-Qualifikation nur wegen eines verlorenen Foto-Finishs nicht auf Anhieb. Dann war ich aber im dümmsten Moment krank und verpasste wichtige Wettkämpfe. Das knappe Verpassen der Olympia-Quali war dann zuerst schon brutal, und ich hatte zu beissen. Während der Olympischen Wettkämpfe konnte ich die Rennen dann aber doch im Fernsehen schauen und meine Kolleginnen und Kollegen anfeuern.

Wie geht es Ihnen aktuell gesundheitlich?

Danke, es geht mir gut. Während der Saison fing ich eine Grippe ein, und es dauerte länger, bis ich wieder wettkampf-tauglich war. Im Alltag misst man einem Schnupfen oder Husten nicht so viel Bedeutung zu. Im Spitzensport fehlen einem dadurch aber genau jene paar letzten Prozent, die es braucht, um Leistung bringen zu können.

Das Echo auf Ihren Online-Post war überwältigend. Was bedeuten Ihnen die vielen positiven Statements?

Ich habe extrem viele positive Rückmeldungen per Mail und Telefon erhalten. Das ist sehr schön, und es bedeutet mir sehr viel. Es zeigt, dass ich in den fast zehn Jahren im Weltcup doch etwas erreicht habe. Nach schwächeren Phasen bin ich immer wieder aufgestanden und habe an mich geglaubt. Das hat mich geprägt.

Wie gross ist Ihre Zufriedenheit, wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, und welches waren Ihrer Meinung nach die Höhepunkte?

Die Weltmeisterschaft in Trondheim überstrahlt meiner Meinung nach alles. Dort holten wir geschichtsträchtiges Silber mit der Staffel, und die Stimmung mit den Zuschauermassen war überragend. Aber auch die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking (China) waren speziell – weil es wegen Corona praktisch keine Zuschauenden gab. Gerne erinnere ich mich aber auch an die WM 2017 im finnischen Lahti zurück, als ich als Debütant gleich in der Staffel laufen durfte. Ich schätze aber auch, was man von aussen nur ansatzweise mitbekommt: Das Zusammensein mit dem Team, mit dem man immerhin nur schon rund einen Drittel des Jahres mit Reisen und Wettkämpfen verbringt. Dazu kommt die gemeinsame Zeit in Davos. Viele Erlebnisse werden mir ein Leben lang in Erinnerung bleiben.

Inwiefern gibt es vielleicht eine verpasste Gelegenheit, der Sie nun nachtrauern?

Ich bin mit mir absolut im Reinen und happy mit dem, was ich erreichen konnte. Erst galt ich als Nachwuchs-Hoffnung, dann folgten schwierige Zeit mit Übertraining und Krankheiten sowie Verletzungen. Ich kam aber wieder zurück und konnte die Probleme hinter mir lassen. Ich habe also keinen Grund, einer Sache nachzutrauern.

Wie geht es nun bei Ihnen weiter?

Ich nehme nun vorerst einmal Abstand vom Spitzensport und wechsle die Fronten. Ich besitze bereits den Bachelor in Wirtschaft und werde bald den Master-Abschluss in Finanzen machen. Nun schreibe ich Bewerbungen und bin gespannt, wo ich landen werde.

Das ist Jason Rüesch

Alter: 31 Jahre

Skiclub: Davos

Erstes Weltcuprennen: 
13. Dezember 2024 bei Davos Nordic

Podestplätze WM:
1 (Staffel-Silber 2025 in Trondheim)

Podestplätze Weltcup:
2 (Ränge 2 und 3 mit der Staffel)

Edelmetall an SM
6-mal Gold
6-mal Silber
5-mal Bronze

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