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Öffentlicher Raum im WEF-Ausnahmezustand

Wenn das World Economic Forum stattfindet, verändert sich der Ort für einige Wochen spürbar. Strassen werden gesperrt, Zufahrten kontrolliert, Sicherheitszonen eingerichtet. Diese Eingriffe gehören seit Jahren zum WEF-Alltag und sind für viele Einheimische zur bekannten Begleiterscheinung geworden. Weniger sichtbar, aber ebenso prägend, ist die Frage, wie und von wem öffentlicher Raum in dieser Zeit genutzt wird.

Davoser
Zeitung
09.01.26 - 07:00 Uhr
Ereignisse
In der Turnhalle Bünda findet bereits seit Dezember kein Schulsport mehr statt.
In der Turnhalle Bünda findet bereits seit Dezember kein Schulsport mehr statt.
mar
Am deutlichsten zeigen sich die Veränderungen im Verkehrsraum. Temporäre Sperrungen und Umleitungen strukturieren den Alltag neu. Dazu gehört etwa auch der zugelassene Gegenverkehr auf der Talstrasse. Zeitweise werden Zufahrten gezielt gelenkt, Parkplätze fallen weg, Wege verlängern sich. Der Ausnahmezustand beginnt dabei mittlerweile jeweils bereits Anfang Januar und endet mit dem Abbau der Infrastruktur. Die Massnahmen gelten als notwendiger Teil des Sicherheitskonzepts und werden von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert.

Auch Plätze und Freiflächen verändern während des WEF ihr Gesicht. Entlang der Promenade entstehen temporäre Bauten, Pavillons und gesicherte Zonen. Öffentlicher Raum wird dabei neu geordnet, teils exklusiv genutzt, teils ganz gesperrt. Für die Davoser Bevölkerung bedeutet das Einschränkungen, die zwar zur Routine geworden sind, im Umfang und in der Dauer jedoch zunehmen.

Weniger im Fokus, aber nicht minder relevant, ist die Nutzung öffentlicher Gebäude. Turnhallen, Nebenanlagen oder Infrastrukturflächen dienen während des WEF als Logistikstandorte, medizinische Einrichtungen oder Stützpunkte für Armee und Zivilschutz. Offiziell wird dies mit kurzen Wegen, bewährten Abläufen und sicherheitsrelevanten Anforderungen begründet. Politische Diskussionen bleiben in diesem Bereich meist aus.

Der Fall Bünda

Eine Ausnahme bildete im vergangenen Jahr die Nutzung der Turnhalle Bünda in Davos Dorf. Die Halle wird auch in diesem Winter im WEF-Kontext als Sanitäts- und Unterstützungsstandort der Schweizer Armee beansprucht. Für den Schul- und Vereinsbetrieb ist sie bereits seit Dezember gesperrt. Dagegen reichte die SP Davos eine Petition mit rund 400 Unterschriften ein. Gefordert wurde nicht der Verzicht auf Sicherheitsmassnahmen, sondern die Prüfung alternativer Standorte, um Belastungen für Kinder und die einheimische Bevölkerung zu reduzieren.

Die Petition führte zu einer politischen Debatte und zu Stellungnahmen anderer Parteien. An der grundsätzlichen Praxis änderte sich jedoch nichts. Die Nutzung der Turnhalle Bünda bleibt bestehen, weitere vergleichbare Vorstösse folgten nicht. Auch andere öffentliche Gebäude oder Schulstandorte rückten seither nicht in den Fokus einer politischen Auseinandersetzung.

Der Fall Bünda hebt sich auch deshalb ab, weil öffentliche Kritik während des WEF insgesamt selten ist. Obwohl der Ausnahme­zustand jedes Jahr spürbar in den Alltag eingreift, bleibt offene politische oder gesellschaftliche Auseinandersetzung die Aus­nahme.

Das World Economic Forum bleibt damit für Davos ein zeitlich begrenzter Sonderzustand, in dem öffentlicher Raum neu organisiert wird. Die Abläufe folgen dabei weitgehend eingespielten Mustern. Pragmatisch umgesetzt, selten politisch diskutiert, aber mit spürbaren Auswirkungen auf den Alltag der Bevölkerung.

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