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Wer soll die Auszeichnung «Bündner Persönlichkeit 2025» erhalten?

Die Medienfamilie Südostschweiz sucht zum zehnten Mal die «Bündner Persönlichkeit des Jahres». Ihr könnt ab jetzt abstimmen, wer die Steinbock-Trophäe nach Hause nehmen darf.

Kristina
Schmid
09.01.26 - 17:00 Uhr
Graubünden
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Nominiert: Othmar F. Arnold (oben), Ramona Casanova, Kurt Baumgartner, Karin Fuchs, Werner Erb, Gigi Malua (im Uhrzeigersinn).
Bilder: Corinne Thöni / Bildmontage: Rico Kehl

Zum zehnten Mal kürt die Medienfamilie Südostschweiz die Bündner Persönlichkeit des Jahres. Ein kleines Jubiläum – und eine gute Gelegenheit, innezuhalten und hinzuschauen: auf Menschen, die Graubünden nicht mit grossen Worten, sondern mit Taten geprägt haben. Auch dieses Jahr stehen sechs Persönlichkeiten zur Wahl. Drei Frauen und drei Männer, die auf sehr unterschiedliche Arten Verantwortung übernommen und im Kanton etwas Besonderes geleistet haben.

Othmar F. Arnold gehört dazu. Er hat mit dem Tenna Hospiz einen Ort geschaffen, den es im Safiental zuvor schlicht nicht gab: einen Ort für Menschen, die am Ende ihres Lebens nicht wegziehen wollen, sondern bleiben möchten – in ihrer Heimat. Arnold kennt diesen Wunsch aus seiner langjährigen Arbeit bei der Spitex und dem palliativen Brückendienst nur zu gut. Immer wieder erlebte er, wie Menschen ihre vertraute Umgebung verlassen mussten, sobald Pflege nötig wurde. Eine persönliche Erfahrung gab schliesslich den Ausschlag, eine Idee in die Realität umzusetzen. Heute ist das Tenna Hospiz eine Wohngemeinschaft für den letzten Lebensabschnitt. Arnold lebt selbst im Haus und organisiert pflegerische und medizinische Hilfe, wenn sie nötig ist. Ansonsten helfen sich die Bewohnenden gegenseitig.

Für sein soziales Engagement ist auch Werner Erb nominiert. Jahrelang arbeitete er als Streetworker der Überlebenshilfe Graubünden und half suchtkranken Menschen im Stadtpark. Noch heute geht er jeden Mittwochnachmittag dahin, serviert Kaffee, Kuchen und Sandwiches – und hört einfach zu, wenn jemand reden will. Viele Churerinnen und Churer dürften ihn aber nicht deswegen kennen, sondern vor allem wegen seines Alphorns. Bis zu zehn interessierte Personen unterrichtet er jeweils am Mittwochnachmittag – ebenfalls im Stadtpark. Auch zwei Kinder, fast schon Teenager, kommen wöchentlich dahin, um auf dem Alphorn zu üben. Auch über den Alphornunterricht und den Kaffeeservice hinaus ist Erb im Stadtpark aktiv. Er organisiert Abschiede, wenn Menschen aus der Szene sterben. Und bleibt auch dann noch, wenn es still wird.

Veränderungen herbeiführen, indem man aktiv wird

Für den Award nominiert ist ebenfalls Ramona Casanova. Die Grafikdesignerin und Mutter von bald zwei Kindern machte öffentlich auf die Folgen des neuen Gesetzes zur familienergänzenden Kinderbetreuung im Kanton aufmerksam. Viele Familien hatten sich von der Revision erhofft, künftig weniger bezahlen zu müssen. Stattdessen wurde es für den Grossteil teurer. Deutlich teurer. Sodass sich Casanova fragte, ob Erwerbstätigkeit für Eltern bald zum neuen Luxus wird. Also schreib sie einen offenen Brief an die Regierung und lancierte anschliessend eine Petition, die innert kürzester Zeit über 1000 Menschen mobilisierte. Heute sammelt sie Fallbeispiele und fordert eine Überprüfung des Gesetzes. Ihr Engagement zeigt, wie aus persönlicher Betroffenheit eine Bewegung entstehen kann, die politischen Druck erzeugt.

Seit über 20 Jahren sorgt auch Kurt Baumgartner für Veränderungen. Im vergangenen Jahr als «Hotelier des Jahres» ausgezeichnet, führt er in Scuol drei Hotels und vier Restaurants und gilt als besonders innovativ und kreativ. Ein Beispiel dafür: Statt für seine Betriebe einen eigenen Wellnessbereich zu bauen, schloss er sich dem Bogn Engiadina an. Über eine Passerelle gelangen die Hotelgäste direkt ins Bad – ein Schachzug, der sich sowohl auf das Bad als auch auf seine Hotels positiv auswirkte. Ausserdem treibt Baumgartner weitere Projekte voran. Noch dieses Jahr soll die «Chasa Plavna» eröffnen und Touristinnen und Touristen an Schlechtwettertagen zusätzliche Angebote bieten. Auch hält er am Hotelprojekt in Pontresina fest, das seit Jahren durch Einsprachen blockiert wird. Baumgartner glaubt an Eigenverantwortung, an Qualität – und daran, dass Wohlstand kein Selbstläufer ist.

Ein Buch und ein Album für Graubünden

Karin Fuchs hat sich fünf Jahre lang einem einzigen Projekt verschrieben: dem «Atlas zur Geschichte Graubündens». Entstanden ist dabei kein klassisches Geschichtsbuch, sondern ein Werk, das Wissen sichtbar macht – mit Karten, Grafiken und Bildern. Fuchs koordinierte als Projektleiterin am Institut für Kulturforschung Graubünden 50 Autorinnen und Autoren, brachte Ordnung in Jahrhunderte Geschichte und hielt alle Fäden zusammen. Wer das Buch in der Hand hält, kann je nach Interesse an verschiedenen Stellen einsteigen, visuell Zusammenhänge entdecken und neue Perspektiven auf die Geschichte Graubündens bekommen. Der Atlas zeigt: Geschichte ist kein trockenes Fach, sondern erklärt, warum Graubünden heute so ist, wie es ist.

Und dann ist da Giulia Maria Gort, bekannt als Gigi Malua. Die Musikerin aus Maienfeld rappt auf Mundart – direkt, ehrlich und ohne Umwege. In ihren Songs geht es um mentale Gesundheit, um Druck auf Frauen, um gesellschaftliche Erwartungen und darum, sich selbst nicht zu verlieren. Nationale Aufmerksamkeit erlangte sie nach ihrem Auftritt beim legendären «Bounce Cypher 2022», der ihr den Respekt der Schweizer Rapszene einbrachte. 2024 wurde sie bei den Swiss Music Awards als «Most Rising Artist Social Media» ausgezeichnet. Ihr erstes Studioalbum «Hinterem Mond», das im vergangenen Jahr erschienen ist, festigte ihre Präsenz in der Schweizer Musikwelt. Gigi Malua spricht aus, was viele fühlen, aber selten sagen. Laut, verletzlich und selbstbewusst.

Die Kurzporträts aller sechs Nominierten sind ab Montag im Print und online zu lesen. Das Voting ist bereits eröffnet. Wer die hölzerne Steinbock-Trophäe dieses Jahr nach Hause nimmt, das entscheiden die Leserinnen und Leser der «Südostschweiz».

Stimme jetzt für deinen Favoriten oder deine Favoritin ab:

Kristina Schmid berichtet über aktuelle Geschehnisse im Kanton und erzählt mit Herzblut die bewegenden Geschichten von Menschen in Graubünden. Sie hat Journalismus am MAZ studiert und lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Rheintal, worüber sie in ihrem Blog «Breistift» schreibt.

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