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Gleiches Ziel, unterschiedliche Strategien

An der Landratssitzung vom Donnerstag, 4. Dezember, liegt dem Parlament unter anderem das Postulat «Davos blüht auf; Biodiversität im Siedlungsraum gezielt fördern» vor. Es geht um die Frage der Überweisung.

Barbara
Gassler
29.11.25 - 07:00 Uhr
Klima & Natur
Die Postulantinnen verweisen als gute Beispiele auf die durch die Initiative des Vereins Freunde Alpinum Schatzalp, des Kirchner Museums und von Green Up entstandenen Beete beim Kirchner Museum. Die Pflege habe sich auf zwei halbe Tage beschränkt, sagen sie.
Die Postulantinnen verweisen als gute Beispiele auf die durch die Initiative des Vereins Freunde Alpinum Schatzalp, des Kirchner Museums und von Green Up entstandenen Beete beim Kirchner Museum. Die Pflege habe sich auf zwei halbe Tage beschränkt, sagen sie.
zVg
Die beiden SP-Landrätinnen Linda Zaugg und Ladina Alioth hatten das Postulat im Juli eingereicht und fordern die Gemeinde darin auf, ein Biodiversitätskonzept zu erarbeiten. Ziel soll eine naturnahe und biodiversitätsfördernde Gestaltung des Siedlungsraums in Davos sein. Die Massnahmen sollen wirkungsvoll sowie ressourcenschonend umzusetzen sein und gleichzeitig zur gestalterischen Aufwertung des öffentlichen Raums beitragen. «Wir fördern die Biodiversität doch bereits», lautet zusammengefasst die Antwort des Kleinen Landrats (KL). Dabei streicht er deren Bedeutung heraus: Sowohl für das Wohlbefinden der Bevölkerung und der Gäste, der Landwirtschaft, der Jagd und Fischerei. «Verluste an Naturkapital können zu erheblichen Kosten und wirtschaftlichen Nachteilen führen». Allerdings findet er eine eigene Biodiversitätsstrategie für Davos nicht notwendig. Stattdessen verweist er auf die im Frühjahr 2024 vom Kanton verabschiedete Biodiversitätstrategie. «Mit einem Zukunftsbild, vier Handlungsfeldern und zwanzig Zielen gibt die Biodiversitätsstrategie Graubünden die Richtung vor, an der sich das Handeln des Kantons, aber auch der Gemeinden orientieren soll.» Bei der Umsetzung der daraus hervorgehenden kommunalen Massnahmen will sich Davos im Siedlungsraum an vier Grundsätzen orientieren: Zum Ersten werden, da alle von der Biodiversität und ihren Leistungen profitieren, auch alle in die Pflicht genommen. Bei der Förderung naturnaher Flächen müsse Qualität vor Quantität gehen, findet der KL ausserdem. Entsprechend sollen finanzielle Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie eine grosse und langfristige Wirkung hätten. Und schliesslich sollen bei Zielkonflikten ausgewogene Lösungen angestrebt werden.

Integrierender Projektbestandteil

In der Sache geht die Regierung mit den Postulantinnen einig, dass öffentlich zugängliche Grün- und Freiräume so zu entwickeln seien, dass sie eine hohe Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung böten, andererseits aber auch Lebensräume und Vernetzungsgebiete für die Natur seien. Deren Sicherung und Aufwertung seien allerdings bereits im Kommunalen räumlichen Leitbild als strategisches Ziel definiert, fährt sie fort. Auch im Freiraumkonzept der Gemeinde würden die Förderung der Biodiversität sowie der ökologischen Aufwertung der Landschaft als wichtige Ziele betrachtet, und es werde eine bessere Vernetzung angestrebt. «Die Förderung der Biodiversität wird bei der Entwicklung der einzelnen Projekte jeweils integraler Projektbestandteil sein.»

Grünflächen im Siedlungsraum, hier der Kirchnerpark, müssen vielfältigen Ansprüchen genügen.
Grünflächen im Siedlungsraum, hier der Kirchnerpark, müssen vielfältigen Ansprüchen genügen.
bg

Gemeinde sensibilisiert

Bei den Gemeindebetrieben sei man für die Thematik sensibilisiert und versuche, ihr Rechnung zu tragen, fährt der KL in seiner Antwort fort und zählt zahlreiche Punkte auf, bei denen die Gemeinde sich bemühe, die Bedürfnisse von Bevölkerung, Gästen und Natur in Einklang zu bringen. Ausserdem werde die Kommission für Umwelt, Verkehr und Abfall (UVAK) die «Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum» behandeln und Vorschläge zur Optimierung von bestehenden Flächen prüfen. Obwohl der KL wie die Postulantinnen der Förderung und Erhaltung von Biodiversität eine hohe Bedeutung zugestehen, findet Ersterer, dass in Davos bereits genügend geschehe. Entsprechend empfiehlt der KL das Postulat zur Ablehnung.

Sich verpflichten

Ganz anders argumentieren die Postulantinnen und die hinter ihnen stehende Interessengemeinschaft «Davos blüht auf» in einer Stellungnahme an die DZ: «Ohne Konzept keine Verbindlichkeit», sagen sie und setzen nach: «Biodiversität ist mehr als PR.» Zwar begrüssen sie, dass die Gemeinde das Thema Biodiversität ernst nehme und als wichtig einschätze. Sie begrüssen, dass Massnahmen geprüft wurden und weitere Schritte im Bereich der Biodiversität im Siedlungsraum geplant sind. Dennoch stossen sie sich an Aussagen: «Der Bericht suggeriert, dass, weil die Gesamtbiodiversität mit der Höhe abnimmt, es in Davos nicht so wichtig sei, die Biodiversität zu schützen. Dies ist schlicht eine unhaltbare und irrelevante Argumentation, bei Biodiversität geht es nicht nur um Arten zählen. Es geht nicht darum, dass Habitate mit möglichst vielen Arten gefördert werden, sondern dass die lokaltypische Vielfalt und speziellen Habitate erhalten und gefördert werden.» Die Ausführungen des KL könnten ein umfassendes Konzept im Bereich Biodiversität bei Weitem nicht ersetzen, finden sie. «Wenn bereits grosse Bestrebungen bestehen, um in diesem Bereich echte Fortschritte zu erzielen, braucht es ein übergeordnetes Konzept sowie eine klare Strategie. Nur so können geeignete Flächen und Massnahmen evaluiert, Fortschritte überprüft, ein wirksames Monitoring gewährleistet und bei Bedarf Anpassungen vorgenommen werden.»

Biodiversität aus privater Hand.
Biodiversität aus privater Hand.
bg

Konkrete Angaben und angepasste Massnahmen

Sie würden es ausdrücklich begrüssen, dass sich die Gemeinde am Biodiversitätskonzept des Kantons orientiere, fahren Zaugg und Alioth fort. «Dies ist sinnvoll und bildet eine solide Grundlage. Das Postulat war entsprechend darauf ausgerichtet, dass ein zu erarbeitendes Biodiversitätskonzept für Davos sich daran orientiert. Um die Biodiversität jedoch tatsächlich und nachhaltig zu fördern, braucht es konkretere Angaben und lokal angepasste Massnahmen. Die Bekämpfung von Neophyten wird von uns ausdrücklich begrüsst und soll ebenfalls ein verbindlicher Bestandteil des Konzepts und der Strategie sein.»

Bindeglied Siedlungsraum

Davos liege im Zentrum wertvoller Kultur- und Naturräume, die durch den Siedlungsraum vernetzt bleiben müssten, erklären sie ihr Sichtweise. Ausserdem will die Interessengemeinschaft «Davos blüht auf» nicht ausschliesslich die Landwirtschaft in die Pflicht genommen sehen. «Auch im Siedlungsraum kann ein wesentlicher Beitrag zur Biodiversität geleistet werden.» Unterstützung für ihr Anliegen sehen sie im «World Biodiversity Forum», das im kommenden Juni in Davos stattfinden wird. «Es wäre sinnvoll, wenn sich Davos vor dem nationalen und internationalen Publikum als Vorreiterin für eine biodiverse Alpenstadt zeigt.» Insgesamt bleibe ihnen aus der Antwort der Regierung völlig unverständlich, weshalb bei den aufgeführten laufenden und geplanten Massnahmen die Erarbeitung eines Konzepts zur Förderung der Biodiversität nicht in Betracht gezogen werde, beschliessen die Postulantinnen ihre Argumentation. «Ein solches Konzept würde eine strategische Planung und Ausrichtung der Massnahmen erlauben, zum grösstmöglichen Nutzen und unter Schonung der Ressourcen. Das Konzept wäre auch ein klares Signal und ein wichtiges Bekenntnis zu diesem zentralen Thema.»

Die auf Anfrage der Gemeinde ebenfalls vom Verein Freunde Alpinum Schatzalp bepflanzten Kübel auf dem Arkadenplatz zielen auf eine hohe Biodiversität und geringen Pflegeaufwand ab.
Die auf Anfrage der Gemeinde ebenfalls vom Verein Freunde Alpinum Schatzalp bepflanzten Kübel auf dem Arkadenplatz zielen auf eine hohe Biodiversität und geringen Pflegeaufwand ab.
bg

Welchen Weg beschreiten?

Anlässlich der Sitzung vom kommenden Donnerstag werden dem Rat auch die Jahresziele 2026 vorgelegt werden. Für Zaugg und Alioth fehlt etwas: «Wir konnten keine Bestrebungen im Bereich der Biodiversitätsförderung im Siedlungsraum finden». Daher beharren sie auf ihrer Forderung nach Erarbeitung eines konkreten und überprüfbaren Konzepts in Zusammenarbeit mit der Kommission UVAK. Am Grossen Landrat ist es nun, zu entscheiden, welche Bedeutung er der Biodiversität zugestehen will.

Biodiversität bedeutet, auch so etwas zuzulassen.
Biodiversität bedeutet, auch so etwas zuzulassen.
bg
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