Im Rhythmus der Pferde durch die Täler und über die Pässe
Seit 2019 ziehen die Säumer einmal im Sommer wieder durch die Täler. Sie sorgen regelmässig für grosse Augen und halten die Erinnerung an einen einst eminent wichtigen Wirtschaftszweig aufrecht. Daneben bieten sie eine Auszeit für gestresste Städter.
Seit 2019 ziehen die Säumer einmal im Sommer wieder durch die Täler. Sie sorgen regelmässig für grosse Augen und halten die Erinnerung an einen einst eminent wichtigen Wirtschaftszweig aufrecht. Daneben bieten sie eine Auszeit für gestresste Städter.
Rechtzeitig reagieren
Dazu trägt auch vorausschauendes Verhalten bei. «2024 hatte es am Scaletta zu viel Schnee, um eine Passquerung zu wagen. Darum bestellen wir schon rechtzeitig die Transporter, um Tier und Mensch via Flüela nach Zernez zu bringen.» Ansonsten werde die Improvisationskunst höchstens mal bei einem gerissenen Bauchgurt oder bei losen Hufeisen gefordert. Apropos Hufeisen: «Auf einer solchen Tour müssen die Tiere mit massiven Stollen ausgerüstet sein», erzählt Flühler. Dieses Jahr habe sich ein Säumer in Gargellen mit einem geliehenen Pferd mit ungenügender Sicherung vorgestellt, «Das geht natürlich gar nicht. Also habe ich ihn an die Spitze unmittelbar hinter mich genommen und ihn so über das Schlappiner Joch geleitet. Dass er mir ja keinen falschen Tritt macht.» Die Übernachtung in Klosters hätten sie allerdings genutzt, einen Hufschmied aufzubieten, der die notwendigen Stollen angebracht habe. Die weitere Wanderung über Davos in den Dürrboden sei problemlos gewesen. «Höhepunkt war wohl der Halt bei einem ehemaligen Teilnehmer, wo wir uns endlich wieder mit Röteli eindecken konnten», erzählt Flühler mit einem Augenzwinkern. Überhaupt das Getränk. Die modernen Säumer transportieren den Veltliner in der «verkehrten» Richtung von Norden gegen Süden, und, um es auf die Spitze zu treiben, von den Vorräten kommt in Tirano kaum etwas an.
Viel Geschnatter
Nach zwei Tagen bei eitlem Sonnenschein erwartete die Säumer am dritten Tag der Höhepunkt der Reise: die Überquerung des Scalettapasses mit seinen rund 2600 Metern. «Es macht nichts, dass das Wetter trübe ist», meint Flühler. «Dann wird es wohl etwas ruhiger in der Kolonne.» Im einfachen Gelände und bei angenehmem Wetter werde doch etwas viel «gschnädered». «Dabei heisst es doch, das Wandern im Takt der Tragtiere etwas Meditatives ist.»
Bei Erscheinen dieser Zeitung haben die Säumer auch schon den Bernina bezwungen und befinden sich kurz vor ihrem Ziel in Tirano. Mit knapp 150 Kilometern in den Knochen und der Vorfreude auf das nächste Mal im Herzen.
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