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Heldinnen der Demokratie: Frauen, die politische Entwicklungen beeinflussten

Demokratie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, widersprechen und sich einmischen. Ohne dieses Handeln bleibt jede politische Ordnung ein System auf Papier.

Davoser
Zeitung
03.03.26 - 17:00 Uhr
Kultur
Aspasia, Darstellung aus dem 19. Jahrhundert. Stich von Frank Holl nach einer Vorlage von Gustave Staal (1860). 
Aspasia, Darstellung aus dem 19. Jahrhundert. Stich von Frank Holl nach einer Vorlage von Gustave Staal (1860). 
Public Domain
Die Ausstellung «Heldinnen der Demokratie» richtet den Blick auf Frauen, die demokratische Entwicklungen mitgeprägt haben. Sie erzählt von Biografien, die oft jenseits der grossen politischen Bühnen wirkten und dennoch nachhaltigen Einfluss hatten. Sie stellt eine grundlegende Frage: Wer sorgt eigentlich dafür, dass Demokratie lebendig bleibt?

Glasfiguren als Dialog

In ihren Glasfiguren verknüpft die Künstlerin Nives Widauer historische Biografien mit grundlegenden demokratischen Begriffen. Persönlichkeiten werden mit Themen wie Bildung, Mut, Diskurs oder Gerechtigkeit in Beziehung gesetzt. So entsteht ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart – und die Frage, wie politische Kultur heute verstanden und gelebt wird. Die Ausstellung macht deutlich, dass demokratische Entwicklungen von individuellen Entscheidungen bestimmt werden.

Frauen mit politischer Geschichte

Gezeigt werden unter anderem Simone Weil, Sophie Scholl, Bertha von Suttner oder Emilie Kempin-Spyri. Ihre Lebenswege stehen für unterschiedliche Formen demokratischen Engagements. Sie schrieben, organisierten, widersprachen oder kämpften für politische Teilhabe, häufig gegen Widerstände. Ihre Geschichten zeigen, dass demokratische Rechte nicht selbstverständlich entstanden sind, sondern erstritten, verteidigt und weiterentwickelt wurden.

Aspasia

Ein Blick ins fünfte Jahrhundert v. Chr. zeigt, wie wenig selbstverständlich politische Teilhabe lange Zeit war. Im antiken Athen, das oft als Wiege der Demokratie bezeichnet wird, waren Frauen von formellen Rechten ausgeschlossen. Eine Ausnahme war Aspasia, die als gebildete Gesprächspartnerin und Lehrerin Einfluss auf das intellektuelle Leben Athens nahm. Zeitgenössische Quellen berichten, dass sich in ihrem Haus Philosophen und politische Entscheidungsträger trafen. Ihr wird rhetorische Kompetenz zugeschrieben, und ihr Einfluss auf das geistige Klima der attischen Demokratie gilt als bemerkenswert – auch wenn keine eigenen Schriften von ihr überliefert sind.

Aspasia erinnert daran, dass Demokratie nicht nur in Institutionen entsteht, sondern in Gesprächen, im Austausch von Ideen und im Mut, sich einzubringen, selbst wenn die eigene Stimme offiziell nicht zählt. Politische Kultur entwickelt sich dort, wo Argumente ausgetauscht, Positionen hinterfragt und Wissen weitergegeben wird.

Demokratie ist kein Besitzstand

Heute gelten demokratische Prozesse vielerorts als stabil, zugleich geraten Vertrauen, Dialog und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung unter Druck. Entscheidungen an der Urne setzen voraus, dass Informationen zugänglich sind und unterschiedliche Perspektiven sichtbar bleiben. Demokratie ist kein Zustand, der einmal erreicht und gesichert ist. Sie muss immer wieder neu ausgehandelt werden.

Kunst als Denkraum

Die Kunst schafft Abstand von politischer Debatte und gibt damit Raum für Reflexion. Fragil und transparent zugleich erinnern die Figuren daran, dass demokratische Ordnungen Offenheit und zugleich Schutz brauchen.

Die Vernissage findet am Samstag, 7. März, um 17 Uhr im Kulturplatz statt.

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