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AI-Award an die Paten von «ChatGPT»

Zum 4. Mal wurde am Mittwoch im Rathaus der Global Swiss AI Award verliehen. Der Preis 2024 ging an ein ganzes Team.

Südostschweiz
24.01.25 - 18:00 Uhr
Ereignisse
AI Award
Die Jurymitglieder (v.l.) Thilo Stadelmann, Benjamin Grewe und Pascal Kaufmann zusammen mit Jakob Uszkoreit und Valérie Favre Accola.

Hinter dem mit dem Award ausgezeichneten «Team Transformer» stehen die acht Wissenschaftler Ashish Vaswani, Noam Shazeer, Niki Parmar, Jakob Uszkoreit, Llion Jones, Aidan N. Gomez, Lukasz Kaiser, Illia Polosukhin. Während sie 2017 bei Google arbeiteten, veröffentlichten sie mit «all you need is attention» gemeinsam einen völlig neuen Ansatz auf dem Gebiet des Maschinellen Lernens, der seither zu einem Meilenstein geworden ist: Transformers. «Seither wurde der Aufsatz 152 824-mal zitiert», sagte Moderatorin und Journalistin Melanie Pfändler bei der Vorstellung. «Zumindest war das die Zahl, als ich es heute Morgen das letzte Mal überprüfte.» Denn es werde noch immer darauf Bezug genommen. «Vor einer Woche waren es noch 1000 Zitationen weniger, das zeigt uns, wie wichtig dieses Papier ist.» Transformer gelten als Basis grosser Sprachmodelle und sind enthalten in GPT der Kurzform von «Generative Pretrained Transformer».

Doch was tun Transformers eigentlich, fragte Jurypräsident und Präsident von Mindfire Pascal Kaufmann an einem Punkt während des Anlasses. Für die Preisverleihung war stellvertretend für das ganze Team Niki Parmar über Video zugeschaltet, während Jakob Uszkoreit vor Ort war. Zur Beantwortung der Frage nahm Uszkoreit einen mehrdeutigen Satz zu Hilfe: «Wenn ich sage: ‹Ich berühre das Glas mit ...› geben erst die nachfolgenden Worte Auskunft darüber, um welche Art von Glas es sich handelt.» Transformers würden sich nun jede mögliche Paarung von Glas anschauen. Glas und Wasser, Glas und Lappen, Glas und Hand, um herauszufinden, um welche Art von Glas es gehe. «Das wird wieder und wieder wiederholt, bis man eine ziemlich feine Definition von Glas hat.»

Sichtbarkeit gesteigert

Im Namen der Gemeinde gratulierte Statthalterin Valérie Favre Accola Uszkoreit, den sie einen der Paten von «ChatGPT» nannte. Zurückblickend auf die vier vorhergegangenen Preisverleihungen wollte Pfändler von Kaufmann wissen, was die vier Preisträger gemeinsam hätten. Sie seien sehr stolz darauf, wie sich ihre Preisträger auf dem globalen Parkett weiterentwickelt hätten, antwortete dieser. So sei Demis Hassabis, der den Global Swiss AI Award 2022 verliehen bekam, eben für den Nobel Preis ausgewählt worden. François Chollet (2021) sei aktuell einer der am häufigsten zitierten KI-Forscher weltweit und Yann LeCunn, Preisträger von 2023, sei einer der Rockstars im Feld der Künstlichen Intelligenz. «Diese Leute haben inzwischen sehr an Sichtbarkeit gewonnen und dies zeigt, welch gute Hand wir bei der Auswahl der Menschen hatten, die die KI-Welt formen.» Zur Tatsache, dass 2024 ein Team ausgezeichnet werde, meinte Kaufmann: «Wir glauben, dass Forschungen auf dem neuesten Stand heutzutage nicht mehr von Einzelpersonen geleistet werden kann.» Das bestätigte auch Uszkoreit, als er anschliessend mit Pfändler über seine Arbeit in seiner eigenen Firma Inceptive plauderte. Dort sind es nicht nur Teams, die auf Aufgaben angesetzt werden. Sie müssen sogar interdisziplinär zusammengesetzt sein.

Virtuelle Anwendungen in der Realität

Dann musste Uszkoreit wie am Global Swiss AI Award üblichen unter Beweis stellen, dass er sich zwar mit KI beschäftigt, selber aber noch immer ein Mensch ist. Die mit einem Augenzwinkern gestellte Aufgabe soll zeigen, dass es viele Dinge gibt, die Roboter nicht meistern. So zeichnete Uszkoreit unter Anleitung von Jurymitglied Thilo Stadelmann, Leiter des AI Centers der ZHAW, mit verbundenen Augen einen Roboter auf eine Flip-Chart. Er ging dabei durchaus geschickt zur Sache und bewies ganz nebenbei, dass die gleichen Mechanismen, die künstlicher Intelligenz helfen, auch Menschen von Nutzen sein können. Nachdem er den Stift zuerst verkehrt herum in die Hand genommen hatte, liess er sich von Stadelmann immer wieder an Eckpunkte seiner Zeichnung führen und brachte so ein für jedermann erkenntliches Bild eines Roboters zustande.

Verändern das Leben

An Benjamin Grewe, Leiter des AI Centers der ETH, war es wiederum die Laudatio auf die «Transformer 8» zu halten. Deren Arbeit sei das Rückgrat aller «Large Language Models», auf denen schliesslich Anwendungen wie ChatGPT beruhten. Doch sie sei nicht auf Sprache beschränkt. Auch Bilder, Videos und sogar Code könnten auf diese Weise generiert werden. «Diese Arbeit verkörpert die Möglichkeit, Leben zu verändern.» Mit dem Global Swiss AI Award wiederum werde die Hingabe an den Fortschritt auf dem Gebiet der KI zelebriert.

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