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Home Office

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Christian
Ruch
vor 1 Jahr in
PIXABAY

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Geht es nach den Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit, verhalte ich mich geradezu vorbildlich. Ich mache nämlich schon seit Jahren Home Office. Aber anstatt dass mich Monsieur Berset mal gelegentlich lobend erwähnen würde, nimmt man das in Bern nicht einmal zur Kenntnis, fürchte ich.

Ich vermute, dass Schweizer Arbeitgeber – Corona hin, Virus her – Home Office gar nicht wollen, weil sie ihm insgeheim misstrauen. Für so einen gestandenen Schweizer KMU-Patron ist die Vorstellung, dass Frau Häfliger, die Sekretärin, im Nachthemd und mit einem Konfibrot in der Hand daheim am PC sitzt, mit einer seriösen Arbeitseinstellung nicht zu vereinbaren. Besagter Patron würde Frau Häfliger zwar durchaus gerne mal im Nachthemd sehen, aber alles hat seine Grenzen. Und wenn dann noch die Konfi auf die PC-Tastatur tropfen und nebenher irgendwas von Netflix laufen sollte, kann von einem geregelten Schweizer Büroalltag nicht mehr die Rede sein. Wenn Sie das genauso sehen, muss ich Ihnen leider das Sie jetzt wahrscheinlich schockierende Geständnis machen, dass schon sehr viele dieser Kolumnen im Pyji geschrieben wurden. Mein grosses Vorbild ist Winston Churchill, der seine besten Kriegsentscheidungen im Morgenmantel getroffen hat.

Deshalb fordere ich angesichts der viralen Situation die radikale Ausweitung des Home Office: Ich bin zum Beispiel dafür, dass das gesamte Lokpersonal nur noch Home Office macht. Es gibt zum Thema Führerstand sehr schöne PC-Spiele und Youtube-Videos, sodass so ein Lokführer auch gut und gerne daheim einen Zug von Bern nach Zürich bringen kann. Das hätte zwar wahrscheinlich eine drastische Reduktion des Fahrplanangebots zur Folge, würde aber damit automatisch verhindern, dass Berufstätige im Stossverkehr unterwegs sind. Das Pflegepersonal in den Spitälern könnte ebenfalls im Home Office arbeiten, was das Ansteckungsrisiko für diese dringend benötigten Fachkräfte erheblich reduzieren und damit die Versorgungssicherheit auch noch bei steigenden Infektionsraten garantieren würde.

So, bevor ich nun noch weitere tolle Ideen für effizientes Home Office entwickle, muss ich mich mal schnell anziehen. Mir ist nämlich gerade Konfi aufs Pyji getropft.

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Herr Ruch ist einmal mehr weder lustig noch originell. Liebe Südostschweiz, stellt doch bitte diese Rubrik ein. Ich glaube nicht, dass ich der Einzige bin, der gerne auf solch seichte Beiträge verzichtet.

Wie immer das erste, das ich am Samstag lese. Danke für Deine tollen Beiträge. Übrigens Churchill: vor vielen, vielen Jahren habe ich seine 7bändige Biografie gelesen und im 2012 den Ort besucht, wo er im Morgenmantel "Krieg führte".... Frohen Sonntag und herzliche Grüsse!