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Fake You II – The Girls are back

Fake You II – The Girls are back

Single
Bock
vor 1 Monat in

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Ich habe an dieser Stelle vor einigen Monaten bereits über meine Love-Scam-Erfahrungen berichtet. Damals hatte sich eine Dame via Instagram bei mir gemeldet. Ich wurde relativ schnell skeptisch und habe dann den Kontakt abgebrochen.

Die Kontaktversuche offensichtlicher Fake-Accounts in den sozialen Netzwerken haben in der Zwischenzeit nicht nachgelassen. Die super-plumpen amüsieren mich. Wo ich früher auf Facebook von Profilen mit englischen Namen (Ashley, Hilary, Shirley, etc.) angeschrieben wurde, haben die liebestollen Damen heute Namen wie Flora Auerheimer Stengel (Stengel…gnihihih), Lucia Mayrhofer Glas oder Margareta Springborn Helmke. Klingt irgendwie mehr nach Österreich als nach Schweizer Namen. Sie haben aber offenbar den geografischen Fokus etwas eingeengt und sind im deutschsprachigen Raum Europas angekommen.

Die Namen werden lokaler.

Es vergeht eigentlich keine Woche, in der ich nicht mindestens eine offensichtliche Fake-Freundschaftsanfrage wegdrücken muss. Die Profilbilder zeigen oft Frauen asiatischer Herkunft und kleinem Kleiderbudget. Sie können sich meist nur grad einen (offenbar zu kleinen) Bikini leisten oder müssen in ihrer Cheerleaderuniform posieren. Vielleicht haben sie ihr gesamtes Budget auch für Brustvergrösserungen ausgegeben, denen sie sich offensichtlich unterzogen haben. In der Anfrage beschreiben sie recht explizit, worauf sie im Bett stehen und laden mich ein, ihr privates Profil zu besuchen.

Das sind die einfach zu entlarvenden Profile. Ich habe letzte Woche aber wieder einmal festgestellt, dass die Online-Betrüger auch weniger plump vorgehen. Mein Handy signalisierte mir, dass ich eine neue Kontaktanfrage auf Insta habe. Ich entsperrte mein iPhone und schaute mir das Profil an. Da war eine hübsche junge Frau zu sehen. Sie hatte nicht die üblichen, verdächtig wenigen Posts und war auch sonst auf dem Profil nicht übertrieben offensiv unterwegs mit ihren Reizen. Ich nahm die Anfrage an, reagierte aber nicht weiter darauf. Nach einigen Minuten meldete sie sich mit einem «Hi there» bei mir. Ich schrieb relativ einsilbig zurück. Sie kam dann schnell zu Sache – aber nicht zu der, mit der ich rechnete. Sie stellte sich mir als Jennifer aus den USA vor. Sie arbeite für eine Firma, die Leute mit kriminellem Hintergrund verfolge. Scamming sei ein wichtiges Thema. Ich bestätigte das mit einem «mhm». Sie schrieb mir dann, dass sie vermute, ich könnte demnächst Opfer eines Scamming-Versuchs werden. Ob ich eine Ana Karoline Santos kenne. Ich bejahte.

Mit Karolina hatte ich vor gut einem Jahr auf Tinder gematched. Wir hatten ein wenig hin und her geschrieben. Der Austausch war dann aber irgendwann stehengeblieben. Sie war aber noch eine meiner Insta-Followerinnen. Jennifer informierte mich darüber, dass Karolina eine brasilianische Scammerin sei, die insbesondere Männer aus Deutschland und der Schweiz anschreibe. Offenbar hatte Karolina erst vor Kurzem einen jungen Mann aus Deutschland abgezockt, indem sie ihm eine Beziehung vorgaukelte – inklusive Treffen – und ihm dann irgendwann sagte, dass sie schwer krank sei und Geld für eine Operation brauche. Der Mann bezahlte offenbar und Karolina ward danach nicht mehr gesehen. Ich versicherte Jennifer, dass ich niemals jemandem Geld überweisen werde, wenn ich die Person nicht gut kenne. Ich erinnerte mich daran, dass Karolina mir geschrieben hatte, dass sie regelmässig in Europa sei und man sich ja vielleicht einmal treffen könnte.

Nun halte ich mich grundsätzlich für einen verhältnismässig skeptischen Online-Dater. Ich nehme zwar gerne auch mal offensichtliche Fake-Anfragen an, um zu sehen, welche Masche angewendet wird, um mir Geld abzuluchsen. Ich bin beim Online-Dating aber immer auf der Hut. Karolina hatte ich nicht mehr auf dem Radar. Sie hatte sich nicht mehr bei mir gemeldet und ich mich nicht mehr bei ihr. Vielleicht hätte sie den Kontakt wieder aufgenommen und mir dann irgendwann ihre Krankheits-Story aufgetischt. Da hätten bei mir dann aber die Alarmglocken geläutet.

Mein Dialog mit Jennifer ging dann noch ein wenig hin und her. Ich erzählte, dass ich bereits ein, zwei Mal mit Scamming-Versuchen zu tun gehabt habe und auch schon im lokalen Singleblog davon erzählt habe. Sie bedankte sich bei mir und verabschiedete sich dann. Und ich erzähle euch heute wieder darüber, dass ihr beim momentan boomenden Online-Dating vorsichtig sein solltet: Wenn etwas zu toll ist, um wahr zu sein, ist es das wohl auch nicht.

Weitere Informationen zum Love- oder Romance-Scam findet ihr auf der Seite der Schweizerischen Kriminalprävention.

Passt auf euch auf!

Euer Singlebock

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