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Energie sparen für die Liebe

Energie sparen für die Liebe

Single
Bock
vor 2 Monaten in
HERNAN PAUCCARA/PEXELS

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Ich habe in den letzten Wochen versucht, das böse, grosse C in meinen Beiträgen aussen vor zu lassen. Es beschäftigt uns alle. Wir verfluchen das Virus, wünschen es uns zum Teufel und versuchen irgendwie das Beste aus der Situation zu machen. «Big bad C» steigert meine wochenendliche Trägheit in ungeahnte Höhen. Das sehe ich schon nur am Schrittzähler in meinem Handy. Während ich früher zwischen 7000 und 10'000 Schritten gemacht habe, bewege ich mich, vor allem an den Wochenenden, im Moment im dreistelligen Bereich – im Viereck zwischen Bett, Küche, Sofa und WC. Ich tue meinem Körper auch sonst zu wenig Gutes. Meine Essensbestellungen bei lokalen Lieferdiensten haben sich verdreifacht und die Brauereien in der Nähe bekommen auch regelmässig Unterstützung von mir. Solidaritätsverfettung sozusagen.

Neben den körperlichen Einflüssen hat aber auch mein Gemüt in den letzten Monaten einige Narben abbekommen. Über das Singleleben während Corona habe ich ja schon referiert. Das erste Mal vor zehn Monaten.

Die damaligen Durchhalteparolen gelten grundsätzlich immer noch. Die haben aber mehr mit dem individuellen Umgang mit der Krise zu tun. In den vergangenen Wochen und Monaten sind vermehrt externe Parameter hinzugekommen, die ich als Individuum nur bedingt beeinflussen kann oder will. Während die Solidarität zu Beginn hochgehalten wurde und man überall von privaten Hilfsangeboten gelesen hat, haben sich seither Verschwörungstheoretiker, Querdenker und «Besorgte Bürger» mehr und mehr Lautstärke verschafft. Sie proleten nach links und rechts, negieren Expertisen und blaffen jeden an, der nicht auch lautstark gegen Staat, Politik und Wissenschaft wütet. Auf der anderen Seite mehren sich auch die unflätigen Antworten auf solche Ausbrüche.

Die Einen bezeichnen die Anderen als Schlafschafe und die wiederum bezichtigen ihr Gegenüber, Verschwörungstheorien aufgesessen zu sein und fernab jeglicher Realität zu argumentieren. So schalmeit es Hate-Speech, Vorwürfe und Verfluchungen hin und her. Und das, liebe Freunde, schlägt mir am allermeisten aufs Gemüt. Wo ich mich früher online noch mit stumpfsinnigen Blödeleien ablenken konnte, muss ich heute damit rechnen, dass ich innerhalb kürzester Zeit irgendwo auf einen Post treffe, unter dem sich Leute gegenseitig hasserfüllt anschrei(b)en.

Ich habe meine Meinung zum Thema und rege mich auch sehr auf, wenn jemand irgendwelche kruden Theorien zu Herkunft, Behandlungsmöglichkeit und Sinnhaftigkeit von Massnahmen gegen das böse C aufstellt, basierend auf einem Youtube-Video, das ein frustrierter Trottel unter seinem Aluhut zusammenfabuliert und aufgenommen hat. Ich muss mich regelmässig enorm zusammenreissen, um nicht selbst ins Pöbel-Fahrwasser zu gelangen und mit undifferenzierten Beleidigungen zu antworten.

Auf Diskussionen mag ich mich nicht einlassen. Das darf man mir auch durchaus vorwerfen. Die andere Seite und ich werden uns nicht finden. So verhärtet sind die Fronten wohl. Ich habe für mich ganz alleine entschieden: «Let’s agree to disagree». Auch das kann man mir vorwerfen.

Ich versuche weiter, nicht pöbelig auf pöbelige Wortmeldungen zu antworten. Ganz nach Bambi-Kumpel Klopfer:

Das tue ich ganz und gar eigensinnig. Ich habe im Moment nicht die Energie, mich neben meinem eigenen Rucksack auch noch um den anderer zu kümmern. Ich kann nicht noch eine emotionale Baustelle eröffnen.

Was hat das mit meinem Singleleben zu tun? Ich spare mir emotionale Energie, um sie dereinst voll und ganz für die Liebe zur Verfügung zu haben. Ich finde das sinnvoller.

Passt auf euch auf und behaltet etwas Liebe in eurem Leben – für Euch und andere.

Euer Singlebock

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Ich verstehe diese Leute von heute, wenn sie weder ein Haus bauen noch Kinder in die Welt setzen werden.Am besten man lebt sein Leben noch so gut wie möglich.Ich vermute auch,dass wir mit diesem Virus leben müssen in Zukunft.