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St. Moritz kann es wirklich besser

St. Moritz kann es wirklich besser

Hans Peter
Danuser
vor 2 Monaten in
St. Moritz Inder Hochzeitsparty Prewedding
Pre-Wedding Party in St.Moritz: Im Palace (links) und im Kulm Hotel sind viele der Gäste untergebracht.Bild Marco Hartmann / 24.2.2019
BILD ARCHIV

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Mit dem Spruch «St. Moritz kann's besser» wurde der Zürcher Christian Jott Jenny vor gut zwei Jahren Gemeindepräsident von St Moritz. Vor einem Monat begann die zweite Halbzeit seiner Amtsperiode. Und sie begann denkbar schlecht für einen Ort, der seine Haupteinnahmen fürs ganze Jahr

zwischen Weihnacht und Ostern generiert. Alle Bars und Restaurants geschlossen, alle Anlässe abgesagt, Maskenpflicht statt Rambazamba, Feiern und Ambiente. Und dann die Hiobsnachricht, das zwei Flaggschiffe der St. Moritzer Luxushotellerie unter Quarantäne stehen.

Bei rund einem Dutzend Mitarbeitern der beiden Häuser war das mutierte Coronavirus festgestellt worden. Der Bündner Regierungsrat reagierte rasch und platzierte Kantonspolizisten vor die stolzen Eingangsportale. Die Nachricht ging um die Welt - eine Image-Katastrophe drohte, wie sie schon Ischgl in Tirol und Verbier im Wallis heimgesucht hatte.

Im Gegensatz zu dort nahm der St. Moritzer Führungsstab das Heft sofort in die Hand, schloss sämtliche Schulen, inklusive Skischulen, erließ komplette Maskenpflicht auf dem gesamten Gemeindegebiet und ordnete in St Moritz Dorf und Bad Corona-Flächentest an, an denen über die Hälfte der Bevölkerung teilnahm.

Dank dieser Maßnahmen war die Situation vor Ort rasch unter Kontrolle und eine Infektionsquote von rund einem Prozent der Einwohner überblickbar. Jetzt musste die Bevölkerung - und die Welt das nur noch zur Kenntnis nehmen, und hier schlug nun die entscheidende Stunde für den Gemeindepräsidenten.

Kurz nach der Inauguration des neuen US-Präsidenten Joe Biden in Washington, die alle Medien absorbiert hatte, richtete Christian Jott Jenny SEINEN 'Präsidential Report' per Videobotschaft an die Öffentlichkeit. Und wie! In Inhalt, Form und Prägnanz genauso, wie ein ausgebildeter Tenor und Event-Unternehmer das kann: klar, glaubwürdig, überzeugend, knapp, auf den Punkt gebracht: St. Moritz ist sicher. Seine Maßnahmen greifen. Das Schutzkonzept funktioniert. Insbesondere auch in den Hotels; "Das Badrutt's Palace zum Beispiel hat sich medizinisch besser auf diesen Winter vorbereitet als manch' eine Klinik im Ausland."

Es war ein rundum professioneller Auftritt, durchaus auf Augenhöhe mit jenen, die wir von Angela Merkel gewohnt sind. Aber in seinem aparten, heraldisch korrekten blau/gelben Outfit war Jenny noch etwas eleganter als Frau Merkel (die seit Jahren Stammgast der Nachbargemeinde Pontresina ist). 

Jennis Auftritt ging viral und wirkte Image-positiv - weltweit. Das St. Moritzer Krisen-Management und seine Kommunikation waren vorbildlich (Sonntagszeitung vom 24.1, S.7). Das Kompliment beschränkt sich keineswegs auf den Präsidenten und seinen Corona-Führungsstab, sondern auch auf die Hoteliers, denen z.Z. wirklich nichts erspart bleibt.

Zwei davon greife ich heraus, weil auch sie politisch engagiert sind, als innovative Geschäftsleute Corona aber auch als Chance wahrnehmen. Beide haben sie realisiert, dass die ganze Welt infolge des Virus noch nie so Gesundheits-fixiert war wie heute. Und wo ist ein Aufenthalt gesünder als im 'Raumwunder' Engadin mit all seinen ebenen Winterwanderwegen, Langlauf-Loipen und Sonnentagen auf 1800 Meter über Meer? Das Engadin bietet nicht nur perfekte Ferien an, sondern auch alles für die Gesundheit, präventiv und zur Rehabilitation, bei der gerade Licht, Sonne und Natur eine wichtige Rolle spielen, derweil im Unterland im Winter oft Nebel liegt.

Christoph Schlatter leitet die Hotelgruppe Laudinella/Reine Victoria, ist Präsident des Hotelvereins und war letztes Jahr als Präsident des Gemeinderats politisch 'höchster St. Moritzer.  Daniel Bosshart gehört das Hotel Albana in Silvaplana und ist dort auch Gemeindepräsident. Beide haben diesen Januar ihren Stammgästen spezifische Gesundheitsangebote offeriert, die derzeit hoch-aktuell und preislich im Vergleich mit 'jenen im Nebel' sehr attraktiv sind. 

Die beiden Hoteliers bauen mit ihrer Gesundheitsinitiative eine alte Engadiner Angebotssäule neu auf, für die das Tal perfekte Voraussetzungen aufweist:  3500 Jahre Heiltradition der St. Moritzer Mineralquellen, hohe Ärzte- und Therapeutendichte mit großen Namen bei Einheimischen und Gästen: Dr. Bernhard, Dr. Gut, Dr. Meuli, Prof. Röntgen, Nobelpreisträger....

Diese Gesundheitsangebote ergänzen und stärken die drei anderen traditionellen Gäste-Präferenzen, für die das Engadin und St Moritz stehen:

- Natur, Landschaft und Klima mit dem Schweizer Nationalpark

- Sport mit den Schweizer Olympiastätten von 1928, 1948 und 2019

- Kultur mit gegen 40 Museen und Galerien sowie UNESCO-Welterben....

PS: Für Gemeindepräsident Jenny ist die Wintersaison allerdings noch nicht gelaufen. Er hat ein Verfahren am Hals und muss beim Staatsanwalt in Chur antraben. Delikt: fahren mit (Gemeinde-) Fahne. Ein Videoclip hält fest, wie Jenny mit seinem Fiat Panda und flatternder St. Moritzer Fahne zu seiner Neujahrsansprache fährt. Das ist verboten, und da kennt die Bündner Kantonspolizei kein Pardon. Die ganze Schweiz hat sich darüber Gedanken gemacht, als das nationale Radio SRF 1 am Samstagmittag die populäre Sendung 'Zytlupe' sehr träf und witzig diesem Vorfall widmete.

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Sehr geehrter Herr Danuser, ich teile Ihre Ansichten weitestgehend. Aus Gründen der Transparenz wäre es natürlich super, wenn Sie im Artikel noch kurz erwähnt hätten, dass sie auch Mitglied des Verwaltungsrat von Santasana sind und hier eigentlich Ihren CEO loben.