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Die Angst der Bündner vor dem starken Auftritt

Die Angst der Bündner vor dem starken Auftritt

Hans Peter
Danuser
vor 4 Monaten in
BILD ZVG

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Der Durchschnittsbündner ist bescheiden, unaufgeregt und möchte nicht gross auffallen. «Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr», wusste aber schon Wilhelm Busch. Gerade auch in Corona-Zeiten wie heute, in denen Bescheidenheit oft in Verzagtheit und Rückzug mündet.

Aber der Markt ist hart, überflutet von Informationen und Angeboten wie selten zuvor. Um darin nicht unterzugehen, gilt es, sich auf wenige, aber begehrte Stärken zu fokussieren und Alleinstellungsmerkmale, sogenannte USP, Unique Selling Propositions zu kommunizieren.

Dafür gibt es bekannte Beispiele im Kanton: Davos WEF, Arosa Bärenland, St.Moritz Top of the World ... Dass dies auch kleinen Destinationen gelingen kann, hat das Safiental gezeigt, das mit geringen Mitteln seine Affinität für Natur, Klima und Kultur erfolgreich unter die Leute bringt.

Weniger einzigartig sind Positionierungen wie etwa jene von Chur als «Alpenstadt», die für vergleichbare Orte wie Sitten, Brig, Innsbruck oder Brixen genauso möglich sind. 

Felsberg, die schöne und sonnige Wohngemeinde bei Chur, hat keine touristischen Ambitionen und liegt, wie ihr Name sagt, am felsigen Berg Calanda, der wiederum für Wölfe und Bier bekannt ist. Wie kann sich Felsberg positiv von seinen ebenfalls attraktiven Nachbargemeinden Tamins, Haldenstein und Untervaz differenzieren? Mit dem «ersten Wein am Rhein». Das ist ein sympathisches und zugkräftiges Alleinstellungsmerkmal, das Felsberg auf die Landkarte bringt. Der Rhein zählt schliesslich zu den bekanntesten Weinflüssen der Welt.

Auch die Val Müstair ist sehr schön, aber ein abgelegenes Alpental wie viele andere auch. Im Internet stellt es sich vor als «Naturpark Biosfera Val Müstair». Was ist denn eine Biosphäre? Naturpärke gibt es jede Menge, gegen 20 allein in der Schweiz.

Dabei hat Müstair eine Kombination von Alleinstellungsmerkmalen, die im ganzen Alpenraum einmalig ist. Es gibt nur zwei UNESCO Biosphären in der Schweiz. Die bekannte davon schreibt sich seit Jahren «UNESCO Biosphäre Entlebuch Luzern Schweiz». Dass Müstair dieses Label auch hat, wissen nur wenige Insider im Kanton. Mit dem Kloster hat das Tal gar eine zweite UNESCO-Auszeichnung, ist also das einzige Tal der Schweiz mit UNESCO Labels für Landschaft, Natur UND Kultur.

Die UNESCO-Marke ist weltweit bekannt und anerkannt. Müstair hat zwei davon und verschmäht die Auszeichnung in seinem Markenauftritt. Im heutigen übersättigten Ferien-Markt ist das eine Todsünde, vor allem wenn man weiß, was es alles braucht, bis man diese seltenen Label erhält.

Von Gabriella Binkert, der tüchtigen ehemaligen Biosphäre-Chefin und heutigen Gemeindepräsidentin der Val Müstair erwarten wir jetzt einen präsidialen Entscheid in dieser Sache. Müstair hat die beiden UNESCO- Auszeichnungen verdient und sollte sie mit Stolz in die Tal-Marke aufnehmen! Die meisten Mitbewerber können und dürfen das nicht  und grenzen auch nicht an den Nationalpark, den einzigen der Schweiz und ältesten auf dem Kontinent.

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Lieber Herr Danuser, lesen Sie sich doch zum Thema Biosphärenreservate im Allgemeinen ein bisschen besser ein, bevor Sie einfach drauf los schreiben. Und vor allem... lernen Sie das Konstrukt in der Regiun Engiadina Bassa/Val Müstair, bestehend aus Naturpark, Nationalpark und Reservat erst einmal richtig kennen. Wie immer in ihren Blogs, werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Aber wie heisst es so schön... was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Auch Hans Danuser nicht.