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Mals - Scuol: Die Bündner Regierung bleibt dran

Mals - Scuol: Die Bündner Regierung bleibt dran

Hans Peter
Danuser
vor 9 Monaten in
Fördergruppe Eisenbahnverbindung Mals – Scuol

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Am 27. Juni fand im Grossratsgebäude in Chur eine intensive Besprechung der möglichen Eisenbahnverbindung Vinschgau - Engadin statt. Regierungsrat Mario Cavigelli und die zuständigen Mitarbeiter seines Stabs erörterten die aktuelle Lage mit der Fördergruppe Mals - Scuol, die von Valerie Favre Accola, Grossrätin aus Davos präsentiert wurde: Not Carl und Dario Giovanoli, Unterengadin, Hans Peter Danuser, Oberengadin, Gabriella Binkert, Müstair sowie die beiden Verkehrs- und Raumplanung-Experten Paul Stopper und Erwin Bundi.

Im Laufe der eineinhalbstündigen Debatte zeigte sich bald, dass die Bündner Regierung dem Bahnprojekt durchaus offen gegenübersteht, aber nur auf der Basis direkter Kontakte mit der Südtiroler Regierung aktiv werden kann. Diese Gelegenheit ergibt sich in der bevorstehenden Video-Konferenz, die am 8. Juli mit den Verkehrsministern Südtirols, der Lombardei, Tirols und Graubündens stattfindet, an der Regierungsrat Cavigelli persönlich teilnimmt.

Dabei wird er das Prozedere aus Schweizer Sicht einbringen, das in der Regel mit einer schriftlichen Absichtserklärung beginnt und umfangreiche politische, finanzielle und technische Abklärungen aufweist. Auch wenn die grenzüberschreitende Verlängerung der Vinschgerbahn nach Scuol in dieser Weise noch 2020/21 aufgegleist würde, wird eine Fertigstellung der 26 Bahnkilometer frühestens 2032 möglich – 4 Jahre nach der geplanten Eröffnung des Brenner Basistunnels nach Bozen, zu dem Graubünden mit der neuen Verbindung dann direkten Zugang hätte.

Not Carl, der auf Facebook eine Interessensgruppe mit über 2000 Followern und Fans der Bahnverlängerung nach Scuol unterhält, hat nach der konstruktiven Sitzung spontan einen Leserbrief für die Vinschger Zeitung geschrieben, den ich diesem Blog anhänge. Not übersetzt dabei seine politischen Funktionen, die er früher hier gehabt hat, in die Terminologie der Südtiroler, damit die dortigen Leser ihn verstehen.

Das kommt gut an. Postwendend antwortet Sepp Laner, Chefredakteur des Vinschger: «Vielen Dank für den Leserbrief, der in der nächsten Ausgabe erscheint.»

Bahnverbindung Mals – Scuol: Das Warten auf Kompatscher

Die Landesverwaltung Südtirol erliess am 18. September 2015 eine Pressemitteilung, wonach sich Landeshauptmann Arno Kompatscher darüber freue, dass EU-Kommissionspräsident Juncker ihm eine EU Kostenbeteiligung an einer Bahnverbindung Vinschgau-Schweiz in Aussicht gestellt habe. LH Kompatscher werde sich nun mit Graubünden bzw. der Schweizer Bundesregierung in Verbindung setzen, um die nächsten Planungsschritte zu besprechen und zu vereinbaren. In der Folge bedauerte der Landeshauptmann verschiedentlich, dass sich das Interesse der Schweiz an diese Zugverbindung in Grenzen halte. Nachdem er letztes Jahr in Interviews in Schweizer Zeitungen auf die EU Beteiligung an Mals-Scuol hinwies, kam in Graubünden Bewegung in die Sache. Der Engadiner Abgeordnete Mario Salis wies die Regierung in Chur auf Kompatschers Initiative hin und erkundigte sich nach dem Stand der Dinge. Parallel dazu entstand eine neue Projektgruppe, die sich von der Regierung in Chur grössere Aktivität erwünschte. Bei einem kürzlichen Treffen dieser Gruppe mit dem Bündner Verkehrsminister Mario Cavigelli zeigte es sich, dass der Ball bei der Südtiroler Landesregierung liegt und nicht in Chur. Verkehrsminister Cavigelli betonte, die Regierung Graubündens habe beim jährlichen Treffen schon vor 2 Jahren Gesprächsbereitschaft gezeigt und diese im letzten Jahr sogar wiederholt. Leider sei das von Südtirol versprochene trilaterale Gespräch Tirol, Graubünden, Südtirol, bisher nicht zustande gekommen. Der Bündner Verkehrsminister zeigte sich auch enttäuscht darüber, dass er über Schweizer Medien den Stand der Dinge erfahren müsse. Gleichzeitig wies er aber darauf hin, kürzlich von LH Kompatscher eine Einladung zu einer Videokonferenz vom 8. Juli 2020 erhalten zu haben, in welcher sich die betroffenen Regionen über das weitere Vorgehen unterhalten sollen. Als ehemaliger Gemeindepräsident von Scuol und Landtagspräsident von Graubünden habe ich vor 6 Monaten eine Facebook-Gruppe «Pro Mals-Scuol» gegründet, die innert kurzer Zeit über 2'000 Mitglieder erreichte und damit belegt, dass auch unsere Bevölkerung eine Bahnverbindung Vinschgau-Engadin befürwortet. Bozen, Rom, Bern und Brüssel stehen heute und in den nächsten Jahren zweifach unter Druck: Klima ('Green Deal') und Corona (Finanzen). Die Eisenbahnverbindung Vinschgau-Engadin passt perfekt in diese strategische Konstellation. Die Zeit ist reif für das letzte, kurze Teilstück einer touristischen Ostalpenbahn. Herr Landeshauptmann Kompatscher, nutzen Sie Ihrwertvolle Vorarbeit und die Gunst der Stunde!

Not Carl, alt Gemeindepräsident von Scuol

P.S.: Hier noch die Einwohnerzahlen der vier Nachbar-Regionen: Lombardei 10 Millionen, Südtirol 521‘000, Tirol 755‘000, Graubünden 200‘000.

Bildlegende (von rechts nach links): Valérie Favre-Accola, Paul Stopper, Gabriella Binkert Becchetti, Dario Giovanoli, Not Carl, Erwin Bundi, Hans Peter Danuser von Platen  

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