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Das Engadin im Kleinformat

Das Engadin im Kleinformat

Hans Peter
Danuser
vor 11 Monaten in

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Dr. Hans Peter Danuser von Platen, 17. April 2020

Fein und klein ist die Hommage an das Engadin von Ingrid Isermann: 64 Seiten leicht, 17 Centimeter im Quadrat. Trotz des ambitiösen Titels: «Engadin. Auf den Spuren von Giacometti, Segantini und Nietzsche. Dem Himmel so nah». Über jeden dieser Namen gibt es kiloweise Bild-, Kunst- und Werkbände; und nun dieses Büchlein mit dem ersten Satz: «Das Engadin ist ein eigener Planet»...

In der Kürze liegt die Würze und Attraktivität dieses Paperbacks mit Fotos,  Geschichten und Gedichten namhafter Autoren. In einem Zug habe ich es durchgeblättert - und gelesen, ohne das kleinste Gefühl, zu kurz zu kommen.

Die Autorin schwärmt von der Magie und Philosophie der Engadiner und Bergeller Landschaft, die Giacometti, Segantini und Nietzsche derart faszinierte. Drei Visionäre mit gemeinsamen Nennern: die Kunst, die Offenheit, die Freundschaft, die Empathie, die Emigration.

Ingrid Isermann stellt zwei der Archetypen in Text und Bild exemplarisch vor: Alberto Giacometti mit «L' homme qui marche», Giovanni Segantini als «Magier des Lichts» und lässt dazu auch bekannte Spezialisten zu Wort kommen: Stefan Zweifel über Giacometti's Atelier als «Fetisch-Statue des Jetzt» und Beat Stutzer zu Giovanni Segantini als «Wegbereiter der Moderne» mit seinem Triptychon. 

Ludwig Harig schreibt über Nietzsche im Engadin und Hans Ulrich Obrist öffnet die Palette mit einem Beitrag über den Künstler Gerhard Richter in Sils.

Dann werden drei kulturaffine Hotels des Oberengadins vorgestellt: das Waldhaus Sils als «magischer Ort zum Träumen», das Grand Hotel Suvretta House St Moritz - «Noblesse Oblige!» sowie das Hotel Bernina 1865 Samedan, eine der ältesten Gaststätten des Hochtals.

Es folgt ein interessanter Abstecher ins Unterengadin zur Hotel Pensiun Aldier Sent mit der permanenten Giacometti-Ausstellung im Gewölbekeller sowie zu Not Vital's Skulpturenpark in Sent und seinem neuen Kulturzentrum im 2016 erworbenen Schloss Tarasp.

Hinweise auf das neue Muzeum in Susch (2018) und die E.A.T. Engadin Art Talks (2010) sowie ein substantieller Text von Daniele Muscionico über das neu-erweiterte Bündner Kunstmuseum Chur zeigen, wie vielseitig und breit abgestützt das Engadiner Kulturangebot heute ist.

Den leisen Ausklang dieses gelungenen Kunst-Büchleins bilden zarte Gedichte von Leta Semadeni, Leo Tuor und der Autorin Ingrid Isermann. Sie kommt aus Hamburg und lebt seit 1964 in Zürich.

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