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Weg von Wasser und Bäumen, ab ins Auto

Dichte, düstere Wolken und grelles Zucken am Himmel: Gewitter sind unberechenbar und besonders Blitzeinschläge sind nicht vorhersehbar. Wie aber verhalte ich mich draussen richtig bei einem Unwetter?

28.06.22 - 18:43 Uhr
Aus dem Leben
Blitz und Donner: Die Sommergewitter sind nicht zu unterschätzen.
Blitz und Donner: Die Sommergewitter sind nicht zu unterschätzen.
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#1 Die Sekunden zählen

Je eher der Donner auf den Blitz folgt, desto näher ist das Gewitter. Die ungefähre Distanz kann berechnet werden, indem man die Sekunden dazwischen zählt. Wetterprognosen-Experte Fabio Fasel führt aus: «Drei Sekunden zwischen Blitz und Donner ergeben ungefähr einen Kilometer. Ab drei Kilometern wird es langsam heikel, spätestens da würde ich unbedingt einen Unterschlupf suchen.» Wer dazwischen nicht mehr auf 10 zählen kann, der sollte sich schnell in Sicherheit bringen. Blitze können laut Fasel aber auch aus weiter Entfernung einschlagen.

#2 Sich von hohen Stellen fern halten

Blitze entstehen durch den hohen Spannungsunterschied zwischen den Wolken und der Erde. Auf dem Weg nach unten sucht sich der elektrisch geladene Blitz den geringsten Widerstand, was entweder eine kurze Route oder eine hohe elektrische Leitfähigkeit sein kann. Blitze schlagen deshalb immer an der höchsten Stelle ein, da sie so den kürzesten Weg zu Erde haben. Deshalb werden gemäss Fasel in einer Stadt auch eher Hochhäuser vom Blitz getroffen.

#3 Bäume und offene Flächen vermeiden

Unter einem Baum Schutz suchen ist bei einem Gewitter keine gute Idee. Sie sind nicht nur wegen ihrer Höhe besonders anfällig für Blitzeinschläge, sondern auch extrem leitfähig, wenn sie wegen des Regens komplett nass sind. Wenn der Blitz in den Stamm einschlägt, können Äste abgesprengt werden und herunterdonnern.

Besonders gefährlich sind alleinstehende Bäume. Aber auch offene Felder und Wiesen sollten schnellst möglich verlassen werden, damit man selbst nicht zur höchsten Stelle wird.

Achtung: Alleinstehende Bäume sind besonders gefährlich.
Achtung: Alleinstehende Bäume sind besonders gefährlich.
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#4 Weg von Gewässern

Egal ob beim Schwimmen, beim Angeln oder beim Rafting: Gewässer sind der gefährlichste Ort, um sich während eines Gewitters aufzuhalten. «Wasser leitet die Elektrizität extrem gut weiter», erklärt Fasel. Die Distanz, in der ein Blitzeinschlag trotzdem noch spürbar ist, könne im Wasser viel grösser sein. «Auch wenn man nicht direkt getroffen wird, ist es problematischer als an Land, wo man schon ziemlich nah dran sein müsste.»

Auf offenem Wasser ist man zudem der höchste Punkt, der vom Blitz bevorzugt wird. Aber selbst wer bei einem Gewässer nicht direkt vom Blitz getroffen wird, kann sich gravierende Verletzungen zuziehen. Deshalb sollte man schon beim ersten Donnern das Wasser schnellstmöglich verlassen und sich so weit wie möglich vom Ufer entfernen.

#5 Kein Metall anfassen

Gegenstände aus Metall sollten bei einem Unwetter vermieden oder sicher verstaut werden. Zwar ziehen Handys, Velos oder Geländer die Blitze nicht stark an, leiten diesen aber extrem gut weiter, wie Fasel bestätigt. Das kann zu schweren Verbrennungen führen.

Auch die eigene Kleidung sollte überprüft werden, da beispielsweise Wanderrucksäcke häufig ein eingenähtes Metallgestell haben. Da dieses sehr nah an der Haut getragen wird, besteht erhöhte Verbrennungsgefahr. Solche Gegenstände sollten deshalb am besten mit etwas Entfernung zum eigenen Schutzort deponiert werden.

#6 Am sichersten ist es in Häusern und Autos

In einem festen Gebäude mit Blitzableitern muss man keine Angst haben, sich allerdings vor Leitungen in Acht nehmen. «Grundlegend ist man im Auto am sichersten, da es wie ein faradayscher Käfig wirkt. Da wird der Blitz rundum in die Erde geleitet» erläutert Fasel. Das gelte allerdings nur für Autos mit einem geschlossenen Dach und nicht für beispielsweise Cabriolets.

#7 Kauerstellung einnehmen

Kein Grund zur Panik, wenn gerade kein geeigneter Unterschlupf auffindbar ist. In einem solchen Fall sollte am besten die Kauerstellung eingenommen werden. Fasel beschreibt: «Am besten macht man sich möglichst klein. Dabei sollte man in die Knie gehen und diese mit den Armen halten. Wichtig ist auch, dass die Beine möglichst nahe beieinander sind.»

Wichtig ist, dass man sich ja nicht auf den Boden legt, da man so nur die Kontaktoberfläche mit dem Boden vergrössert, was gefährlicher ist. «Oder auch, wenn man die Beine voneinander hat, denn dann würde der Strom durch den Körper fliessen. Wenn man die Beine hingegen ganz nahe zusammen hat, dann ist die Gefahr weniger gross», so Fasel. Somit ist die Angriffsfläche für elektrische Spannung am kleinsten.

#8 Gruppen aufteilen

Ob auf Schulreise oder mit der Familie unterwegs: Um zu vermeiden, dass die elektrische Spannung zu den anderen Personen überspringt, sollte Abstand zwischen den Gruppenmitgliedern bewahrt werden.

#9 Vom Berg herunterkommen

In den Bergen ist es gefährlicher, da dort Blitze eher einschlagen und Wandernde in der Höhe je nach Strecke ausgeliefert sind. Fasel rät: «Wenn man auf dem Berg ist und das Gewitter kommen sieht, sollte man möglichst bald vom Berg herabkommen oder einen Unterschlupf finden, dass man nicht exponiert ist.» Hinzu kommt der verstärkte Wind, der die Höhen zu einer gefährlichen Region bei Unwettern macht. Auch nasse Kletterstränge, Drahtseile oder feuchte Felswände sollten auf keinen Fall berührt werden.

Gefahrenzone: In den Bergen ist man besonders exponiert.
Gefahrenzone: In den Bergen ist man besonders exponiert.
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#WorstCase

Aber was tun, wenn ein Mensch wirklich vom Blitz getroffen wird? In jedem Fall muss sofort die medizinische Nothilfe (112 oder 144) alarmiert werden. Meistens überleben vom Blitz getroffene, weshalb vor Ort erste Hilfe geleistet werden sollte. Die Getroffenen können nach dem Schlag problemlos angefasst werden.

Ihr wollt wissen, was zu tun ist, wenn ein Skorpion in der Wohnung ist oder wie ein Fettbrand richtig gelöscht wird? Dann schaut Euch die anderen Einträge von #sofunktionierts an:

Elea Bank ist freie Mitarbeiterin bei der «Südostschweiz» und wirkt in der Bild- und Onlineredaktion mit. Sie studiert aktuell im sechsten Semester Multimedia Production an der Fachhochschule Graubünden und schliesst im September 2022 ihr Bachelorstudium ab.

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