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#sofunktionierts: Sicher durch die närrische Jahreszeit

Es gibt Tage, da läuft nichts wie geplant. Damit ihr euch in allen misslichen Lagen zu helfen wisst, gibt es die #sofunktionierts-Artikel. Heute: sicher durch die närrischste Zeit des Jahres.

Mara
Schlumpf
25.02.22 - 16:00 Uhr
Aus dem Leben
Laute Musik: Kinder sollten an der Fasnacht einen Gehörschutz tragen, da ihr Gehör sehr empfindlich ist.  
Laute Musik: Kinder sollten an der Fasnacht einen Gehörschutz tragen, da ihr Gehör sehr empfindlich ist.  
Pressebild Suva/Keystone/Philipp Schmidli

Nach zwei doch eher trostlosen fünften Jahreszeiten darf heuer die Fasnacht endlich wieder stattfinden. Noch nicht überall in gewohntem Umfang, trotzdem dürften die Fasnachtsfans dieses Jahr wieder auf ihre Kosten kommen. Damit dabei nichts schief geht, hier ein paar Tipps um die schönste Zeit des Jahres (nein, wir meinen nicht Weihnachten), unbesorgt zu überstehen.

Etwas auf die Ohren

Das Beste an der Fasnacht ist die Musik. Die Guggen präsentieren beim Umzug oder Platzkonzert ihre fleissig eingeübten Stücke und sorgen damit für gute Stimmung. Die Lautstärke dabei gleicht allerdings eher einem Düsenjet als der sanften Hintergrundmusik beim Einkaufen. Die Suva warnt: In einer Altstadt sind Guggenmusiken bis zu 95 Dezibel laut. In geschlossenen Räumen wie Restaurants gar bis zu 105 Dezibel. Zum Vergleich: Das ist so laut wie ein Presslufthammer, direkt am Ohr. Es ist lauter, als in Discos erlaubt. «Ab 85 Dezibel kann es bereits gefährlich werden», heisst es in der Mitteilung der Suva. Das Gehör von Kindern oder Tieren ist sogar noch empfindlicher. Damit wir auch nächstes Jahr wieder Freude an den vorgetragenen Stücken der Guggen haben, sollten wir unsere Ohren ein wenig schützen. Dazu ein paar Tipps der Suva:

  • Ohrenstöpsel oder ein Pamir mitbringen! Sobald die Musik so laut ist, dass eine normale Unterhaltung nicht mehr möglich ist, sollte man einen Gehörschutz verwenden. 
  • Abstand halten! Je grösser der Abstand zur «Lärm»-Quelle, desto sicherer das Gehör. Guggenmusik klingt auch mit drei Metern Distanz noch gut genug.
  • Pausen einlegen! Zwischendurch sollte man sich von der lauten Musik entfernen, damit sich das Gehör einen Moment lang erholen kann.
Laut, aber gut: Die Guggenmusik, hier in Glarus 2013, ist oft lauter als ein Presslufthammer. Geniessen kann man sie aber auch mit Gehörschutz.
Laut, aber gut: Die Guggenmusik, hier in Glarus 2013, ist oft lauter als ein Presslufthammer. Geniessen kann man sie aber auch mit Gehörschutz.
Bild Claudia Kock Marti

Wenn das alles nichts genützt hat und sich nach lauter Musik oder Lärm ein dumpfer Höreindruck einstellt oder ihr anhaltende Ohrengeräusche feststellt, braucht euer Gehör dringend Pause. Halten die Symptome 24 Stunden an – ab zum Ohrenarzt!

Getränk nicht aus den Augen lassen

Behaltet eure Drinks immer im Auge. Legt eine Hand über den Becher, wenn ihr gerade nicht trinkt. Im Zweifel: Lieber wegschütten. Obwohl diese Regeln uns allen bekannt sind, gibt es jedes Jahr mehr Fälle von K. o.-Tropfen in Getränken. Seit 2014 hat sich die Zahl sogar mehr als verdoppelt. Und die Dunkelziffer ist hoch: Viele Betroffene merken nicht oder zu spät, dass ihnen etwas ins Getränk gemischt wurde, da GHB, wie die Tropfen auch genannt werden, nur etwa 24 Stunden lang im Blut nachweisbar ist. Die Droge ist heimtückisch – sie lässt das Opfer erst glauben, es habe einfach ein bisschen viel getrunken. Dann folgt der Filmriss. Wie soll man so erkennen, dass etwas ins Getränk gemischt wurde? Hier ein paar Tipps:

Teurer Spass: Lasst euer Getränk niemals aus den Augen, auch nicht beim Bezahlen.
Teurer Spass: Lasst euer Getränk niemals aus den Augen, auch nicht beim Bezahlen.
Archivbild
  • Ist ein üblicherweise klares Getränk plötzlich getrübt und/oder hat einen eigenartigen (oft salzigen oder seifigen) Beigeschmack? Nicht mehr davon trinken. Schnapp dir deine Begleitung, bitte auch sie oder ihn aktuell nichts mehr zu trinken und ruft die Polizei. Wenn ihr das Getränk noch habt, könnt ihr das den Beamten übergeben.
  • Kein Getränk von jemandem annehmen, den du nicht kennst. Wie schnell kriegt man im Ausgang oder an der Fasnacht mit einem Augenzwinkern ein Getränk in die Hand gedrückt? Lehne dankend ab. Möchtest du die Person aber nicht komplett abweisen, biete an, gemeinsam an die Bar zu gehen und ein neues Getränk zu bestellen. Die fremde Person kann dabei das ursprünglich für dich gedachte Getränk geniessen. Falls die Person das aber aus irgend einem Grund nicht möchte, weisst du, dass du erst recht die richtige Entscheidung getroffen hast.
  • Wird dir plötzlich unerwartet heftig schwindlig, obwohl du gar nicht viel getrunken hast? Hör sofort auf zu trinken und gib dein Getränk auch niemandem weiter. Bitte jemanden nach einer noch verschlossenen Wasserflasche, und trink etwas. Verständige auch jetzt sofort einen Arzt oder die Polizei. Falls dir plötzlich sehr übel wird, ist es keine schlechte Idee, dich zu übergeben. Sieh zu, dass du nicht alleine bist.
  • Wenn du befürchtest, GHB eingenommen zu haben, aber alleine unterwegs bist, wende dich an eine Autoritätsperson – also einen Türsteher, eine Servicefachangestellte, einen Restaurantbesitzer. Sie können dich dabei unterstützen, den Notruf zu wählen. Gleichzeitig sind diese Personen meistens nüchtern und können aufpassen, dass du nicht mit einer unbekannten Person mitgehst. 
  • Falls du erst am nächsten Morgen merkst, dass etwas nicht stimmt, geh in die nächste Notaufnahme und lass dir Blut abnehmen und dich gegebenenfalls auch generell untersuchen. Wenn möglich, dusche vorher nicht. Je schneller du untersucht wirst, desto eher ist die Droge nachweisbar.
  • Falls du merkst, dass etwas mit deinem Getränk nicht stimmt, notiere dir alles, was du noch weisst, oder mache einer Freundin eine entsprechende Sprachnachricht. Woher hast du das Getränk? Was stimmt damit nicht? Wo bist du? Was wirst du als nächstes tun? Wie viel hast du davor getrunken? Mit wem bist du unterwegs? Dies kann später helfen, da GHB oft zu einem Filmriss führt.

Komm gut nach Hause!

Wer trinkt, fährt nicht. So viel vorab. Idealerweise bestimmt ihr vorher, wer von euch nüchtern bleibt und für eure sichere Heimkehr sorgt. So gibt es keine unangenehmen Überraschungen. Sollte niemand mehr im Stand sein, ein Fahrzeug zu lenken, lasst es stehen. Keine Parkgebühr der Welt ist zu hoch, um einen Unfall zu vermeiden. Die öffentlichen Verkehrsmittel in der Schweiz sind sehr gut ausgebaut – und sonst holt euch bestimmt ein Taxi ab. Hat einer eurer Freunde zu viel getrunken und möchte trotzdem selber fahren? Vielleicht könnt ihr ihm die Autoschlüssel abnehmen. Das mag zwar Ärger geben, ist aber definitiv die richtige Entscheidung. Steigt unter keinen Umständen in ein Auto, wenn der Lenker nicht fahrtüchtig ist. Im Zweifel auch hier: Die Polizei anrufen. Ein Streit unter Freunden ist nicht vergleichbar mit einem tragischen Unfall. 

Ziemlich fahrunfähig: Diese zwei  betrunkenen Jugendlichen an der Engadinstrasse legten 2016 eine Pause auf dem Heimweg ein. Alles ist besser, als in einem solchen Zustand ein Fahrzeug zu lenken. 
Ziemlich fahrunfähig: Diese zwei betrunkenen Jugendlichen an der Engadinstrasse legten 2016 eine Pause auf dem Heimweg ein. Alles ist besser, als in einem solchen Zustand ein Fahrzeug zu lenken. 
Archivbild

Mit diesen Tipps sollte euch an der Fasnacht nichts Unerwünschtes mehr passieren. Im Zweifel gilt immer: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Lieber einmal mehr hinterfragen, eine Zweitmeinung einholen und die schlauere Entscheidung treffen. 

Mara Schlumpf ist Redaktorin und Chefin vom Dienst bei «suedostschweiz.ch». Ursprünglich kommt sie aus dem Aargau, hat ihr Herz aber vor einigen Jahren an Chur verschenkt.

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