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Klosters rüstet sich für die Zukunft

An der ausserordentlich gut besuchten Gemeinderatssitzung vom 12. September wurden Rat und Bevölkerung über die einschneidenden und zahlreichen Bauvorhaben informiert, die Klosters in den kommenden Jahren massiv beschäftigen und umgestalten werden.

Conradin
Liesch
18.09.22 - 12:05 Uhr
Aus dem Leben
Eine erste Visualisierung zeigt, wie das Wohnhaus mit Wohnungen für Einheimische in Klosters Dorf aussehen könnte.
Eine erste Visualisierung zeigt, wie das Wohnhaus mit Wohnungen für Einheimische in Klosters Dorf aussehen könnte.
zVg

Gemeindepräsident Hansueli Roth erklärte zu Beginn des Traktandums, dass es sich der Gemeindevorstand zur Aufgabe gemacht habe, vorauszudenken, und mit dem Rat zusammen abklären will, ob die vielen Projekte realistisch und tragbar seien; man wolle zudem offen und transparent informieren.

Projekte der Rhätischen Bahn (RhB)

Dr. Renato Fasciati, CEO der RhB, stellte als Erstes die Pläne der RhB zur Überbauung der hinteren Bahnhofstrasse und des Gotschna-Parkplatzes vor: «Es sind noch keine fertigen Projekte», sagte er, doch auch die RhB will hier frühzeitig informieren. Die geplanten Überbauungen sollen der Gemeinde, dem Tourismus und natürlich nicht zuletzt auch den Fahrgästen der RhB dienen, sodass eine eigentliche Win-Win-Situation für alle entstehe, so Fasciati weiter.

RhB investiert weiter in Klosters

Klosters hat sich in den letzten Jahren zu einer eigentlichen Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs entwickelt, «wie aus dem Bilderbuch, mit optimalen Voraussetzungen», begründete Fasciati die Baupläne. Die Rhätische Bahn hat bereits in den vergangenen Jahren viel finanzielle Mittel in Klosters investiert, nicht zuletzt mit dem Umbau der Bahnhöfe Dorf und Platz.

Silvio Briccola, CFO der RhB.
Silvio Briccola, CFO der RhB.
c

Hinzu kommt der Fahrplanausbau. Ab Dezember dieses Jahr wird bereits an Wochenenden durchs Prättigau und weiter nach Zürich im Halbstundentakt gefahren; später soll dies jeden Tag bewerkstelligt werden. Somit kann Klosters von einer perfekten Erschliessung durch den Öffentlichen Verkehr (ÖV) profitieren. Ergänzend dazu bietet die problemlose Erreichbarkeit der Gotschnabahn zu Fuss ein grosses Potenzial.

Was liegt also näher, als dieses Vorteile auch den Gästen zugutekommen zu lassen? Wie der Leiter der Finanzen der RhB, Silvio Briccola, aufzeigte, soll auf dem Gotschna-Parkplatz ein Hotelneubau mit rund 220 Betten erstellt werden. Angesprochen wird damit ein relativ junges Gästesegment. Direkt am Ende der Talabfahrt und und direkt neben dem Bahnhof gelegen, steht die Attraktivität dieses Hotels ausser Frage. Die RhB tritt – anders als es bisher geplant war – als alleinige Projektentwicklerin auf und will dabei die eigenen Interessen als auch jene der Gemeinde und der Bergbahnen mit einbeziehen. Später ist eine Abgabe im Baurecht an einen Investor beziehungsweise Betreiber geplant, wobei hier schon einige Gespräche geführt wurden.

Renato Fasciati, CEO der RhB.
Renato Fasciati, CEO der RhB.
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Mit einer Verkehrserhebung diesen Winter soll herausgefunden werden, wie viele Fahrzeuge genau die Gotschnastrasse befahren. Den Auftrag dazu will die RhB in Absprache mit den Bergbahnen Davos Klosters und der Gemeinde erteilen. «Wir wollen auf der Gotschnastrasse keinen Mehrverkehr», ergänzte Gemeindepräsident Hansueli Roth, «und werden stark darauf achten, wie wir das Problem der Zufahrt zu der Tiefgarage lösen können.» Damit soll auch erreicht werden, dass das Risiko von Einsprachen und somit Verzögerungen minimiert wird.

Auch auf der Bahnhofsseite plant die RhB Grosses: Ein neues Bahnhofsgebäude soll quasi als «Visitenkarte» von Klosters entstehen. Im hinteren Teil ist ein weiterer Neubau geplant, der vor allem preiswerte Erstwohnungen, ältere Personen und Personal sowie eine private Tiefgarage enthalten soll. Die beiden Neubauten sollen schliesslich rund 40 Wohnungen enthalten. Ebenfalls wird derzeit der Bau einer zweiten Unterführung in diesem Bereich geprüft. Die Realisation wird etappenweise erfolgen müssen. Für das Areal «Bahnhofstrasse» ist ein Bau­beginn 2025/26 geplant.

Der einheimische Architekt Ueli Marugg.
Der einheimische Architekt Ueli Marugg.
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Schulgebäude Klosters Platz und Dorf

Durch die Pläne der RhB ist das Aus für den Kulturschuppen praktisch beschlossene Sache. Doch wie schon versprochen, wird er eine neue Bleibe im alten Primarschulhaus Platz erhalten. Der Parterre mit der Turnhalle bietet sich für eine Kulturstätte quasi an; da jedoch mit Betriebskosten von 350 000 Franken jährlich gerechnet werden muss, hat sich ergeben, dass Einnahmen generiert werden müssen. Dies soll schliesslich durch sechs Wohnungen geschehen, welche in den beiden oberen Stockwerken erstellt werden. Dadurch entsteht ein weiterer Vorteil, nämlich zusätzlicher Wohnraum für Einheimische. Auf dem Platz davor, gegenwärtig Parkplatz, «wollen wir etwas Schönes machen», erklärte Gemeindepräsident Hansueli Roth und betonte einmal mehr, es seien noch keine fertigen Projekte vorhanden, es gehe hier erst mal um eine Information.

Montana-Areal

Durch den Bau des Casanna-Parkhauses sollen rund 380 Parkplätze entstehen. «Die Bergbahnen haben bereits vor Jahren 200 Parkplätze abgegolten», wusste Hansueli Roth, «es ist höchste Zeit, dass wir diese auch einmal erstellen», und ergänzte, «Parkplätze ‹verschenkt› werden aber keine, an niemanden.» Die Zufahrt soll beim jetzigen Autounterstand vor dem Rathaus unterirdisch erfolgen. Der Verkehr durch die Bahnhofstrasse kann dadurch minimiert werden. Dies umso mehr, weil auch weitere bereits vorhandene Tiefgaragen in diesem Rayon damit erschlossen werden können. Die unterirdischen Parkgebäude sollen so gebaut werden, dass es deren Statik erlaubt, später Aufbauten zu erstellen.

Davon wusste Architekt Ueli Marugg mehr zu erzählen: Nachdem der Souverän 2017 ein Projekt für ein Luxushotel, «La Montana», – auch aufgrund der Gebäudehöhen – abgelehnt hatte, wird nun ein zweiter Versuch unternommen. Der Besitzer des Postgebäudes, Rolf Grass, plant das Erstellen zweier Gebäude.

In Haus A, dem jetzigen Postgebäude, dürfen vier Zweitwohnungen erstellt werden. Im Parterre soll ein Grossverteiler einziehen; es ist ein offenes Geheimnis, dass dies die Migros sein wird. Obschon noch keine Verträge abgeschlossen worden sind, wurden bereits intensive Gespräche geführt. Die Anlieferung an das rund 600 Quadratmeter grosse Ladenlokal – etwa die Hälfte des bestehenden Coops gegenüber – muss allerdings über die Bahnhofstrasse erfolgen, da die langen Trucks nicht durch das Parkhaus kommen. (Coop seinerseits plant seit Jahren eine Vergrösserung der Lokalitäten, dazu wurde die Liegenschaft Brassel erworben.)

Obschon die Nutzung der Postdienste in den letzten Jahren massiv gesunken sind, hält die Post am Standort Klosters fest; wie gross die erforderlichen Nutzflächen sein werden, ist derzeit noch in Abklärung.

Im hinteren Haus B sind 21 Wohnungen für ältere Personen mit Service-Plus-Betreuung geplant. Dies beinhaltet Notfall-Einrichtungen in jeder Wohnung. Dafür hat die Flury-Stiftung grosses Interesse bekundet. In den tieferen Geschossen werden die Wohnungen mit herkömmlichem Standard ausgerüstet, während weiter oben eine gehobenere Klasse Wohnungen geplant ist. Damit will man auch Leute ab 60 von auswärts ansprechen, die sich in Klosters niederlassen und ihr Alter hier verbringen wollen – mit den angebotenen Serviceleistungen.

Im Frühling 2023 sollen der technische Bericht und eine Kostenschätzung dem Gemeinderat vorgestellt werden können. Zum weiteren Vorgehen gehört auch die Entscheidung, ob das Chalet Montana nun erhalten werden soll oder nicht.

Im Gemeinderat stiessen die Projekte auf Zustimmung, jedoch wurde der Wunsch geäussert, die verschiedenen Bauvorhaben im Zentrum aufeinander abzustimmen, sodass Klosters nicht während zehn Jahren eine Baustelle sei.

Auch auf diesem Gelände an der Doggilochstrasse, neben dem Feuerwehrlokal, sind zwei Häuser mit Wohnraum für Einheimische geplant.
Auch auf diesem Gelände an der Doggilochstrasse, neben dem Feuerwehrlokal, sind zwei Häuser mit Wohnraum für Einheimische geplant.
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Wohnraum für Einheimische

Das bald beängstigende Fehlen von bezahlbarem Wohnraum für Einheimische betrifft nicht nur Klosters. Aus diesem Grund sind einige Projekte geplant. Ob diese durch Genossenschaften, im Baurecht oder als Mietobjekte durch dieGemeinde erstellt werden, ist noch in Abklärung. Doch wurden bereits verschiedene Parzellen dafür ins Auge gefasst:

Doggilochstrasse, Parzelle 1999, neben dem Feuerwehrgebäude, 14 Wohnungen;

Alte Landstrasse Dorf, unter dem Schulhaus, 11 Wohnungen;

Schulhaus Dorf, 4–5 Wohnungen – der Kindergarten ist bereits jetzt wieder dort ansässig, dazu sollen Lokale für die ortsansässigen Vereine bereit­gestellt werden.

Dazu kommen die rund sechs Wohnungen im alten Schulhaus Platz und die von der RhB angekündigten 30 bis 50 Wohnungen, sodass das Problem entschärft würde. Die Preise für eine 4-Zimmer-Wohnung werden ungefähr 1600 Franken betragen, 3½-Zimmer-Wohnungen noch günstiger sein.

Gemeinderätin Selina Solèr erkundigte sich nach kleineren Wohnungen als Personalwohnungen, jedoch wurde ihr beschieden, dass man den Wohnraum für Familien erst einmal priorisiert habe.

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