Energie: «Austariertes Paket» beschlossen
Man will die Stromsparmassnahmen an beiden Orten koordinieren. Welche Entscheide bereits gefällt wurden, darüber informierte der Davoser Kleine Landrat (KL) am Mittwoch.
Man will die Stromsparmassnahmen an beiden Orten koordinieren. Welche Entscheide bereits gefällt wurden, darüber informierte der Davoser Kleine Landrat (KL) am Mittwoch.
Der Bund rief Bevölkerung und Wirtschaft bereits zum Stromsparen auf, um eine drohende Strommangellage im kommenden Winter möglichst zu vermeiden. Auch in der Gemeinde Davos bewegt das Thema. Mittlerweile wurden dort zwei Arbeitsgruppen gebildet. Die Kerngruppe «Strommangel/Stromausfall», die durch die Mitglieder des Gemeindeführungsstabs besetzt ist, erstellt ein Notfallkonzept, in welchem festgelegt ist, wie die wichtigsten Leistungen und Infrastrukturen der Gemeinde im Notfall aufrechterhalten werden können.
Die Arbeitsgruppe «Energiesparmassnahmen», in der Behördenmitglieder aus Davos und Klosters, je ein Vertreter der Tourismusorganisation, der Bergbahnen und des Elektrizitätswerks Davos AG (EWD) vertreten sind, hat nun über Stromsparmassnahmen beraten. «Die Gemeinden Davos und Klosters wollen dabei koordiniert vorgehen und sich mit Verbrauchern, Versorgern und Nutzern austauschen. Künftig soll zudem auch eine Vertretung aus Handel und Gewerbe in der Arbeitsgruppe Einsitz nehmen», schreibt der KL in einer Medienmitteilung. Gemeinsames Ziel des Energiestabes sei es, dem Sparaufruf des Bundes nachzukommen und Massnahmen so zu wählen und zu koordinieren, dass ein gutes öffentliches und touristisches Angebot erhalten werden könne. «Wir haben nun ein austariertes Paket beschlossen. Wir müssen nicht gerade alles abstellen, aber können dennoch beträchtliche Einsparungen erzielen», erklärt der zuständige Departementsvorsteher Jürg Zürcher gegenüber dieser Zeitung. Die Zusammenarbeit mit den Partnern und insbesondere die Koordination mit Klosters empfand er als gut, der Austausch wurde sehr geschätzt. Seitens der Bergbahnen sei dabei zu betonen, dass die nationalen Vorgaben eingehalten werden. «Es wurden bereits eine Reihe wirksamer Sparmassnahmen entworfen, welche stufengerecht zur Anwendung kommen werden», ergänzt die Medienmitteilung dazu.
Eau-là-là am meisten betroffen
In Davos haben die Gemeinderessorts 35 konkrete Massnahmen ausgearbeitet, die der KL anlässlich seiner Sitzung vom Dienstag und einem Austausch im Energiestab zur Umsetzung freigegeben hat. Am meisten betroffen ist das Hallenbad. So soll etwa dank verkürzter Betriebszeiten der Rutschbahn (täglich von 13.30 bis 17.30 Uhr) und der Wellnessanlage (14 bis 21 Uhr) und durch die Abschaltung einer der drei Saunen mindestens in der Zwischensaison (November bis Weihnachten und Januar bis Februar) Strom gespart werden. Am einschneidendsten ist aber wohl die Schliessung des Aussenbeckens in dieser Zeit. Wie Zürcher ausführt, treten die Massnahmen auf den 1. November hin in Kraft. Die Zeit bis dahin nutze man, um die technischen Anlagen umzuprogrammieren und die Änderungen zu kommunizieren. Das Aussenbecken werde man übrigens nicht entleeren. «Das Wasser bleibt im Becken und wird ganz minim geheizt, damit es nicht einfriert», so der Vorsteher des Departementes Gesellschaft, Gesundheit und Sicherheit. «Durch letztgenannte Massnahme lässt sich nicht nur Strom, sondern auch Heizöl einsparen.» Während man auf Weihnachten hin den Betrieb wieder hochfahren möchte, müsse man ihn im Januar ohnehin einschränken. Denn während des WEF-Jahrestreffens ist das Bad bekanntlich geschlossen. Für die Hauptferienzeit im Februar soll der Betrieb dann wieder hochgefahren werden. Ergeben sich durch die Einschränkungen nun Vergünstigungen auf die Eintrittspreise oder Rückerstattungen für Abo-Inhaber? «Da muss ich die Besuchenden leider enttäuschen», sagt Zürcher. Ein finanzielles Entgegenkommen sei nicht geplant. Man müsse auch daran denken, dass die Gemeinde als Betreiberin des Eau-là-là nun extrem hohe Energiekosten zu tragen habe.
Auswirkungen auf den Wintersport
Zusammenspannen werden Davos und Klosters insbesondere bei den Betriebszeiten der Nachtloipen: Die Beleuchtung derjenigen in Davos werde «stark reduziert und soll in der kommenden Saison nur noch an zwei Abenden (Dienstag und am Donnerstag) geöffnet werden», so die Medienmitteilung. In Klosters werde die Nachtloipe dafür mittwochs in Betrieb sein.
Auch beim Davoser Eistraum wird es Einschränkungen geben. Zürcher erklärt dazu: «Geplant ist, die Anlage wie üblich aufzubauen. Sobald der erste Schnee angekündigt ist, wird sie ‹aufgeeist›. Anschliessend lassen wir die Bahn einschneien, um den Energiebedarf möglichst minimal zu halten. Eröffnet werden soll der Eistraum dann Mitte Dezember.» Auch während des WEFs werde man die Anlage wohl einschneien lassen. Wie es anschliessend aussehe, entscheide man zu einem späteren Zeitpunkt. Eine Wiedereröffnung im Februar werde aber angestrebt. Der Landrat ergänzt, dass für das Eislaufen alternativ zu gewissen Zeiten auch die Trainingshalle bereitstehe. Diese wie auch die grosse Eishalle würden wie bisher weiterbetrieben. «Bei den Hallen sind wir bereits sehr gut unterwegs. Wir haben sehr versierte Eismeister, die bereits in der Vergangenheit das Optimum in Sachen Eis herausgeholt haben», freut sich Zürcher. Ebenfalls froh ist er um den im letzten Jahr erfolgten Austausch der Leuchtmittel. Dank LED spare man «enorm viel Strom».
Stark reduzierte (Winter-)Beleuchtung
Weiter soll die Beleuchtung im öffentlichen Raum in Davos und Klosters auf ein notwendiges Minimum verringert werden. Dazu heisst es in der Medienmitteilung: «Die Strassenbeleuchtung wird auf das gesetzlich und technisch machbare Minimum reduziert, und das Anleuchten öffentlicher Gebäude wird insbesondere in den Abendstunden stark dezimiert. In diesem Zuge wird auch die Winterbeleuchtung zeitlich und örtlich stark eingeschränkt. Dazu wird sie in Davos nur auf verkürzten Abschnitten im Dorf und am Platz sowie in Klosters nur an der Bahnhofstrasse installiert und lediglich vom 10. Dezember bis in die Neujahrswoche betrieben.» Der Auskunft gebende Landrat schätzt, dass heuer die Davoser Winterbeleuchtung auf rund einem Drittel der sonst üblichen Länge installiert werde. Doch lohnt sich das angesichts der kurzen Betriebsdauer überhaupt? «Das Aufhängen ist nicht so eine riesige Sache. Und die Beleuchtung gibt Davos dennoch ein winterliches Gesicht und sorgt für Weihnachtsstimmung.» Nebst der die Promenade zierenden Beleuchtung würden auch einzelne Tannen mit Lichterketten geschmückt – einfach deutlich weniger als bis jetzt.
Eine Empfehlung ausgesprochen wurde zuhanden der Handels- und Gewerbebetriebe: Schaufensterbeleuchtungen seien spätestens um 21.30 Uhr auszuschalten, so die Forderung. Auch Kirchen oder andere Eigentümer öffentlicher Häuser würden gebeten, auf das Anleuchten der Gebäude zu verzichten, so Zürcher.
Nächstes Treffen Mitte November
Der Energiestab werde in einem Monat erneut zusammenkommen, um die Lage erneut zu begutachten und die Wirksamkeit der getroffenen Massnahmen zu überprüfen, führt die Medienmitteilung aus. Weiterhin gelte es, die Sparmassnahmen einzuhalten, welche einen Beitrag dazu leisten, dass Davos und die Schweiz im kommenden Winter nicht in eine Strommangellage geraten, welche für Bevölkerung und Tourismus einschneidende Folgen hätte.
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