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Auch künftig klingelt in der Uniformjacke das iPhone

Die Kantonspolizei Graubünden will 500 neue Smartphones kaufen. Es handelt sich dabei um eine Ersatzbeschaffung – die heutigen Geräte sind am Ende ihres Lebenszyklus.

Elea
Bank
27.01.22 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
Technische Entwicklung: Ihr erste Mobiltelefon transportierte die Kantonspolizei Graubünden 1978 noch im Koffer, heute setzt man auf Smartphones, die auch von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden müssen.
Technische Entwicklung: Ihr erste Mobiltelefon transportierte die Kantonspolizei Graubünden 1978 noch im Koffer, heute setzt man auf Smartphones, die auch von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden müssen.
Bild Kantonspolizei Graubünden

Telefone, Kameras, Bücher, Navigationsgeräte oder sogar Bargeld – Smartphones haben dank ihren Funktionen vieles abgelöst und sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Auch die Kantonspolizei Graubünden will auf die mobilen Alleskönner nicht mehr verzichten.

Smartphones statt Pager

Mit dem Projekt «Mobile Computing» hat die Kantonspolizei 2014 eine Strategie erarbeitet, die den Einsatz von mobilen Arbeitsgeräten für alle Mitarbeitenden vorsieht. Die Informatiker der Kantonspolizei haben ein digitales System auf- und ausgebaut, welches das Abrufen von polizeilichen Informationen über verschiedene elektronische Geräte ermöglicht. Neben Tablets und Notebooks stehen seit 2016 auch iPhones im Einsatz, wie Walter Schlegel, Kommandant der Kantonspolizei Graubünden, erklärt.

«Die Kantonspolizei Graubünden ist mitten in der digitalen Transformation und somit ein Teil des digitalen Wandels in der Schweizer Polizeilandschaft.»

Walter Schlegel, Kommandant der Kantonspolizei Graubünden

«Unsere Polizistinnen und Polizisten benötigen nur einen 3G-Empfang und schon können sie eine Fallbearbeitung ortsunabhängig beginnen oder für die polizeiliche Tätigkeit wichtige Informationen beschaffen», so Schlegel. So können die Mitarbeitenden zum Beispiel einfach und rasch Kontrollschilder und Fahrausweise prüfen, Fahndungsbilder empfangen und sogar den Fingerscan zur Identifikation unbekannter Personen benutzen. Über das Smartphone können auch direkt Fotos von Ereignisorten zur Beweissicherung in das Rapportierungs- und Dokumentationssystem übermittelt und dem entsprechenden Fall zugewiesen werden. Dies vereinfache den Arbeitsablauf sowie den Arbeitsaufwand, so Schlegel.

Besondere Vorteile für Graubünden

Einen weiteren Nutzen der mobilen Geräte sieht Schlegel auch in Bezug auf die Weitläufigkeit des Kantons Graubünden mit all seinen topografischen Hürden. «Durch Bild-Livestreaming von der Front zur Einsatzleitung, beispielsweise in Chur, befindet sich der Ereignisort auch im grössten Kanton der Schweiz plötzlich gleich um die Ecke», unterstreicht er diesen weiteren Vorteil der heutigen Technik.

«Durch Bild-Livestreaming von der Front zur Einsatzleitung, beispielsweise in Chur, befindet sich der Ereignisort auch im grössten Kanton der Schweiz plötzlich gleich um die Ecke.»

Walter Schlegel, Kommandant der Kantonspolizei Graubünden

Ebenfalls ein wichtiger Punkt sei die rasche Erreichbarkeit der Polizistinnen und Polizisten im Ereignisfall, schreibt der Mediensprecher der Kantonspolizei Markus Walser. Damit gemeint sind beispielsweise eine Alarmfahndung, ein aussergewöhnliches Naturereignis oder das Aufgebot von Spezialeinheiten. Damit die Mannschaftsalarmierung im Ereignisfall zeit- und bedarfsgerecht ausgelöst werden könne, habe die Kantonspolizei eine neue Schnittstelle aus dem Einsatzleitsystem zum kantonalen Feuerwehralarmierungssystem der Swisscom realisiert. Über diese Alarmierungs-App sind alle Mitarbeitenden der Kantonspolizei Graubünden sofort erreichbar, und die Einsatzleitzentrale erhält direkt einen Überblick darüber, wie viele Einsatzkräfte zur Verfügung stehen. Der Einsatz der mobilen Technologie sei bei der Kantonspolizei Graubünden laut  Walser unverzichtbar.

Die iPhones haben sich bewährt

Jetzt will die Kantonspolizei Graubünden 500 neue Geräte kaufen. «Damit die hohen Anforderungen an die polizeilichen Bedürfnisse sowie die Sicherheit der Geräte und Grosssysteme aufrechterhalten werden können, muss die Hardware periodisch dem neusten Stand der Technik angepasst werden», erläutert Polizeikommandant Schlegel. Mögliche Sicherheitslücken relativiert er: «Auf den Geräten unserer Polizistinnen und Polizisten sind zwei verschiedene Arbeitsebenen installiert.» Die polizeiliche Ebene werde somit vollständig von der privaten Ebene getrennt. Über die polizeiliche Ebene sei eine gesicherte Übermittlung von Informationen durch ein Virtual Private Network (VPN) gewährleistet.

Kosten sind noch unklar

Gemäss der Ausschreibung im kantonalen Amtsblatt sollen die Geräte mit dem iOS-Betriebssystem ausgerüstet sein. Heinz Patt vom Amt für Informatik führt aus: «Die Apps, die für das Polizeiumfeld entwickelt worden sind, sind nur auf einem iOS-Betriebssystem von Apple lauffähig.»

Die Kosten für die Lieferung können aktuell noch nicht beziffert werden. Offerten auf die Ausschreibung müssen bis Mitte Februar beim Amt für Informatik eingereicht werden. Vom Ladenpreis ausgehend würde die Gesamtsumme für 500 Geräte des Modells iPhone 12 ungefähr 350'000 Franken betragen, für das iPhone 13 gut 425'000 Franken.

Elea Bank ist freie Mitarbeiterin bei der «Südostschweiz» und wirkt in der Bild- und Onlineredaktion mit. Sie studiert aktuell im sechsten Semester Multimedia Production an der Fachhochschule Graubünden und schliesst im September 2022 ihr Bachelorstudium ab.

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