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Schneeflut im Glarnerland

Schneeflut im Glarnerland

Wie ein Tsunami überschwemmt das Flockentreiben den Bergkanton – in Elm mit fast einem Meter Neuschnee.

Martin
Meier
vor 1 Monat in
Aus dem Leben

Schienenhöhe 648,23 Meter über Meer – Endbahnhof Linthal. Lautsprecherdurchsage: «Wir bitten Sie auszusteigen.» Das Aussteigen ist allerdings in Leuggelbach, fünf Haltestellen davor, nicht möglich. Meterhoch türmt sich dort auf dem Perron die Schneemauer bis an den Zug, die S25, heran. Die zumindest fährt noch. Die S6 ist eine halbe Stunde zuvor ausgefallen. Die Uhr am Endbahnhof zeigt 16 Minuten nach zwölf.

«Wie eine Schlittenfahrt», schwärmt der Lokführer

«Herrlich», schwärmt der Lokführer, der hier eine knappe halbe Stunde Kaffeehalt hat. «Wie eine Schlittenfahrt. Die Geleise siehst du nicht mehr. Überall liegt Schnee.» Auch auf den Stromabnehmern, was einen Zug zum Stillstand bringen kann. «Dann, wenn die Last zu gross wird und ich den Abnehmer nicht mehr hochfahren kann», erklärt der Lokführer. Dann bekomme der Zug ganz einfach keinen «Pfuus» mehr. In Linthal lässt der Lokführer den Stromabnehmer deshalb oben, in der Leitung. In Ziegelbrücke stünden schon genügend Züge herum.

Es schneit und schneit und schneit: «Wetten, dass derzeit mehr Flocken vom Himmel fallen, als Menschen auf der Erde sind», fragt eine Teenagerin ihre Kolleginnen, die sogleich mit Rechnen beginnen: «Zehn Stück pro Quadratmeter und Sekunde – das wären ja – kann das wirklich sein? – in der Stunde pro Quadratkilometer 36 Milliarden Flocken. Wahnsinn! Das sind ja über vier Mal mehr als die Weltbevölkerung.» Frau Holle leiste wieder einmal gute Arbeit, meint die nebenan stehende Dame, die heimlich mitgerechnet hat und sich gleichfalls überrascht zeigt. Am liebsten wäre sie allerdings jetzt eine Katze: «So schön zu Hause, in der warmen Stube sitzen, wär doch jetzt auch was.»

Bereits morgen Sonntag soll es wieder schneien

Laut SRF-Meteorologe Felix Blumer fielen vom Donnerstag- bis Freitagmorgen (7 bis 7 Uhr) in Glarus 35, im Klöntal 42, in Obstalden und Linthal je 58 und in Elm gar 64 Zentimeter Neuschnee. Das sei Platz 10 seit Beginn der Messungen, verrät Felix Blumer. Anders sehe es allerdings aus, wenn man sich die Neuschneemenge zwischen Mittwoch- und Freitagmorgen anschaue. «In den 48 Stunden gab es in Elm 96 Zentimeter Neuschnee», weiss Blumer. Das sei Platz 2 seit Beginn der Messungen. «Mehr Neuschnee gab es im selben Zeitraum nur anfangs Februar 1961 – nämlich 1,17 Meter.»

Die kumulierte Schneehöhe betrage derzeit in Glarus 55, in Obstalden 76, im Klöntal 78, auf dem Urnerboden 80, in Linthal 99 und in Elm 120 Zentimeter, erklärt Blumer weiter.

Und es werden nicht weniger: Heute soll es laut dem «Wetterfrosch» trotz Hochnebel schön werden. «Aber schon am Sonntag ist wieder Schnee angesagt.» Der Glarner SRF-Meteorologe rechnet in höheren Lagen mit zusätzlichen 25 Zentimetern.

Bei kleineren Ereignissen sind gestern an verschiedenen Orten Äste abgebrochen oder Bäume umgestürzt und haben den Verkehr auf der Strasse behindert. Wie Daniel Menzi, Mediensprecher bei der Kantonspolizei, auf Anfrage sagt, konnten die Räumungsdienste, die permanent unterwegs waren, die Behinderungen jeweils rasch beseitigen. Hauptsächlich sei Glarus Nord betroffen gewesen. Auch in Parks und Gärten seien umgestürzte Bäume zu beobachten.

Die Feuerwehren Kärpf und Grosstal haben in Glarus Süd Leute aufgeboten, so Menzi. Dies, um die Hydranten in ihrem Gebiet freizuschaufeln und damit jederzeit für den Brandfall bereitzuhalten. (fra)

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